Noch einige Worte über Herbarts Philosophie und Pädagogik rc. 99
des Schöpfers und seines Weltplans erstrebend.)" Heft 1 S. 4. Das
ist eine falsche, vom theoretischen pantheistischen Idealismus herüber
genommene Definition (Fichte, Schelling, Hegel, Stahl); das philoso
phische Wissen sollte danach ein Ganzes sein, auf welches das Einzelne
immer nur bezogen werden müßte, und zwar sollte die Philosophie eine
absolute, d. i. vollständige, das Universum umfassende und durchdringende
Erkenntnis gewähren. Was hier gefordert wird, ist freilich vom absoluten
Idealismus selbst mißverstanden, und seine wirklichen Leistungen entsprechen
nicht im entferntesten solchen hohen Anforderungen, welche überhaupt die
menschliche Kraft bei weitem überschätzen, ja ihr Unmögliches anmuten,
weil uns zur Gesamtauffassung der Welt die nötigen Data der Erfahrung
fehlen. 6fr. Thilo, Theologisierende Rechts- und Staatslehre, mit besonderer
Rücksicht auf Stahl, Kap. I: „Vom Ursprünge der vermeintlichen ab
soluten Erkenntnis." Gerade durch diesen Anspruch der Philosophie, ab
solute Erkenntnis aus ihren Mitteln zu liefern, hat sie die Theologie
vergewaltigt und ihr vielfach an Stelle des christlichen Gottes einen
pantheistischen Wechselbalg untergeschoben. Gerade dadurch, daß die Philo
sophie mit der Theologie die Objekte gemeinsam haben wollte und z. B.
Erlösung, Inspiration, unio mystica, Taufe rc. in ihre philosophische
Dialektik zog, hat sie mit Recht die tiefste Entrüstung der gläubigen
Christen und Abwendung ernster Theologen auf sich gezogen. Ja auf
Grund obiger Ansicht von der Philosophie haben Männer wie David
Strauß das Christentum auf das härteste angegriffen und seine Existenz
bedrohen wollen. Da ist es freilich leicht gesagt: „Wenn die Philosophie
versucht hat, auf den Glaubensinhalt, mit dem es die Theologie zu thun
hat, oder auf ihre Resultate Einfluß zu gewinnen, so ist diese Anmaßung
und Verirrung allezeit von der gläubigen Christenheit mit vollstem Recht
zurückgewiesen worden." Aber solche Angriffe lassen sich nicht mit bloßen
Glaubensworten zurückweisen, sondern sie wollen mit den eigenen philo
sophischen Waffen geschlagen sein. (Vollkommen dunkel aber ist mir der
Satz geblieben: „Es ist der Theologie, der Ausbildung der Offenbarungs
erkenntnis zur Wissenschaft, bis jetzt auch gelungen, alle kirchlichen
Richtungen niederzuhalten, die in die Thorheit verfallen sind, unsere
Religion zu einem Objekt der Wissenschaft zu machen." Dann hätte
ja die Theologie bis jetzt gegen ihr eigenes Fleisch und Blut unnachsichtlich
gewütet.) Da ist es gerade ein Verdienst Herbarts, solcher falschen An
sicht von der Philosophie gegenüber getreten zu sein. Oder hat man
schon wieder vergessen, daß Herbart einem solchen Gebahren gleich von
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