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Glöckner,
Anfang an energisch genug und zwar als Philosoph und Christ entgegen
getreten ist: „Wer vom Altare die geweihten Gefäße nimmt, heißt ein
Kirchenräuber. Wer aber sich scheut vor der Vergleichung mit einem
solchen Verbrecher, der hüte sich, nicht bloß der Kirche etwas zu entwenden,
sondern auch irgend ein Gerät derselben unnützerweise zu berühren, es
zu irgend einem Privatgebrauche zu benutzen. Die Kirche hat aber keine
goldenen und silbernen Gefäße, die ihr gleich wichtig wären, wie die
Worte und Ausdrücke, in welche sie gewohnt ist, ihre Gedanken nieder
zulegen. Die Kirche kennt nur Einen Heiland und Erlöser
. . sie kann deshalb auch nicht einräumen, daß die Worte
Erlösung und Heiland (wir fügen hinzu Taufe, unio niMiea rc.)
irgend jemandem zum Privatgebrauch dienen, sondern
diese Worte müssen stets genau im kirchlichen Sinne ge
nommen werden." (Herbarts Werk IX S. 156.) Das eben ist
der große Fortschritt, daß Herbart die Philosophie von der Vermischung
mit der Theologie zurückrief und ihr das ihr eigentümliche Arbeitsfeld
mit seinen uralten Problemen anwies und dadurch eher die rechten Grenzen
und Schranken zeigte. Die Philosophie ist eine rein weltliche
Wissenschaft, als Metaphysik nur die notwendige Ergän
zung der theoretischen Naturwissenschaft. Als solche hat
sie gar nichts mit der Religion zu schaffen. Wenn also die
Worte 1881, S. 301: „Wie wollten Sie einen Herbartianer veranlassen,
sein System nach der christlichen Weltanschauung zu korrigieren? — Auf
letzteres würde ich Verzicht leisten. Denn es würde sich dabei nicht sowohl
um ein Korrigieren, als vielmehr um ein vollständiges Aufgeben mehrerer
Grundanschauungen Herbarts handeln", wenn diese Worte jetzt die milde
Auslegung erfahren: „sie enthalten ja nur den Wunsch, daß die Herbar
tianer mit der (evangelisch) christlichen Weltanschauung noch mehr ernst
machen möchten;" wenn ferner das Gesamturteil jetzt lautet: „die Philo
sophie Herbarts steht dem Christentum im Grunde indifferent gegenüber,
ist aber doch einer Befreundung mit demselben nicht unfähig" — so ist
dazu zu sagen, daß die wahre Philosophie dem Christentum gegenüber
im Grunde indifferent sein muß, da sie es mit disparaten Begriffsgebieten
zu thun haben. Dennoch kann man mit Recht sagen, daß die Her-
bartische Philosophie das Christentum begünstige. Sie strebt,
soweit sie es als echte Wissenschaft ohne ihre Grenzen zu überschreiten
vermag, die Interessen des Christentums gewissenhaft wahrzunehmen,
wie ja überhaupt wahre Philosophie und Wissenschaft mit

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