Noch einige Worte über Herbarts Philosophie und Pädagogik rc. 103
ursprünglich -seine eignen sind, gehörig zu bearbeiten und zu entwickeln;
der muß verstehen, mit Begriffen geschickt umzugehen; kurz der muß
mit der wahren Philosophie vertraut sein. Es darf auch keineswegs
geleugnet werden, daß die Philosophie die Dogmatik zu allen Zeiten be
einflußt hat und zwar meist schädlich, wenn man nicht den „Thatsachen
der Geschichte und Erfahrung" ins Gesicht schlagen will. Den Einfluß
Platos auf die christliche Dogmenbildung weist z. B. Thilo, Geschichte
der Philosophie II S. 1 nach: „In den letzten Jahrhunderten des Alter
tums war der mit aristotelischen, pythagoreischen und stoischen Elementen
versetzte Platonismus, von dem der sogenannte Neuplatonismus nur die
ausgebildetste Art war, in den ernsteren und religiös gestimmten Gemütern
der Gebildeten die herrschende Ansicht geworden. Es war daher natürlich,
daß diejenigen unter ihnen, welche sich dem Christentum zuwandten, so
wohl die Lehre desselben unwillkürlich mit den Vorstellungen jener Phi
losophie appercipierten, als auch wiederum diese durch christliche Gedanken
modifizierten." Beispielshalber erläutert er dies an dem für die späteren
Zeiten einflußreichsten Kirchenvater Augustinus, aus dessen Lehren er
eine große Zahl solcher Sätze aufweist; und zum Schluß des Kapitels
sagt er: „Um nun eine solche vernünftige notwendige Einsicht zu ge
winnen, hatte man kein anderes Mittel, als die überlieferte Denkweise
und die allgemeinen Sätze eben jener platonischen Philosophie,
unter deren Einfluß die christliche Dogmenbildung vor sich
gegangen, die von der Autorität eines Augustinus empfohlen, und
deren Grundsätze in hochangesehenen kirchlichen Schriften, z. B. des
Dionysius Areopagita, zu finden waren." Auf den Einfluß des Aristoteles
kommt auch Zöckler ausführlich zu sprechen in seiner „Geschichte der
Beziehungen zwischen Theologie und Naturwissenschaften." Wie ferner
die gegenwärtige Theologie gar sehr unter dem Einfluß falscher philo
sophischer Systeme steht und leidet, haben Thilo und Flügel in ihren
Schriften über die spekulative Theologie der Gegenwart deutlich gezeigt.
Weil nun unsere Philosophie genau die Grenzen kennt, innerhalb
deren sich eine Philosophie rechtmäßig bewegt, und weil sie fordert, daß
die theoretische Philosophie jederzeit von dem objektiv Gegebenen aus
zugehen und es zu erklären hat, darum bleibt sie unverworren mit den
Gebieten, auf welchen uns nun einmal auf unserm irdischen Standpunkt
die Data versagt und gewiß weislich versagt sind, wie die Objekte des
Glaubens. Man sage nicht: die Offenbarung bietet auch Data. Die
Philosophie ist eine weltliche Wissenschaft, sie kennt nur solche Data,

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