Noch einige Worte über Herbarts Philosophie und Pädagogik rc. 105
dienst". Es giebt viele, die nur auf philosophischem Wege für das
Christentum gewonnen werden können, und die bekennen, es nur der
Philosophie zu verdanken, daß sie am Christentum nicht irre geworden
sind, sondern es durch alle Skepsis hindurch nur reiner und fester wieder
gewonnen haben. Freilich darf man nicht äußerliche Analogie als hierher
gehörig anführen, am wenigsten falsche philosophische Lehren, wie z. B.
die Kants vom „radikalen Bösen" Heft 1 S. 6, die auf ganz falschen
Voraussetzungen ruht.
Für die Mystik, wie sie mein Gegner fordert, bleibt also hier ein
unermeßlich großes Gebiet übrig. Mystik, wohin sie gehört, nämlich
dahin, wo die Thatsachen für uns aufhören, und nicht dahin, wohin sie
nicht gehört, nämlich wo klares Wissen und Denken entscheidet! Da
gilt das Wort Luthers: „Was gegen das Licht der Vernunft ist, ist
noch vielmehr gegen das Licht des Geistes". Den Mystizismus in der
üblen Bedeutung des Wortes, worunter ich eine nebelhafte Gefühls
seligkeit und begriffslose Phantastereien verstehe, wird uns daher schon
die Logik fernzuhalten wissen und noch mehr die exakte Forschung mit
ihren Resultaten. Vergl. auch das „Pröblein evangelischer Mystik"
Heft 2 S. 49, in welche Regionen wir nicht folgen. Vollends würde
es Verblendung sein, in den begriffslosen Phantastereien mittelalterlicher
Mystik eine treffende Kritik der wahren Philosophie und Spekulation zu
suchen. Aber darum leugnet die Philosophie nicht die Dinge, über die
sie nicht entscheiden kann; deshalb kann auch nur Böswilligkeit meinen,
die „sogenannte Philosophie" sage zu der typischen Weissagung: incre-
dibile et absurdum.*) Heft 2, S. 48. Wir wissen auch recht wohl
die christliche Kirche in ihrer weittragenden Bedeutung als Heilsanstalt
mit ihren Gnadenmitteln zu schätzen. Grade weil wir die transcendentale
Freiheit verwerfen oder die Lehre, der Mensch könne sich selbst erlösen
und sich nach Belieben aus Lasterhaftigkeit zur Heiligung bestimmen,
legen wir einen so großen Wert auf die Hülfe, die von anderer Seite
dem Menschen kommen muß durch Vermittlung von Kirche und Schule.
Gewiß mit um dieser Enthaltsamkeit willen und des sich selbst
*) Mein Gegner hatte behauptet, daß alle alttestamentlichen Geschichten
auf Christum hinweisen. Ich hatte um Aufklärung darüber gebeten, in welchem
Sinne dies gemeint sei. Die Andeutungen, die mein Gegner darauf giebt, waren
allerdings nicht nötig, sie beantworteten die Frage gar nicht. Gehören nicht
auch Kains Brudermord, Abrahams Vertrag mit Lot, Jacobs Flucht und Dienst
bei Laban rc. rc. auf die „Unterstufe"? Sind das auch typische Weissagungen?

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