Noch einige Worte über Herbarts Philosophie und Pädagogik rc. 111
in der Reizbarkeit oder Empfänglichkeit oder der nach außen gerichteten
Assimilationsfähigkeit und in ihren Gradunterschieden, wobei sich die hier
möglichen Abweichungen unter die beiden Gesichtspunkte des Zusammen
hangs und der Anordnung als solcher einerseits, und der Durchdringung
und Dichtigkeit im Vorstellungssystem überhaupt und in dessen Gruppen,
Reihen und Komplexionen andrerseits stellen lassen.
4. Das den leiblichen Organismus begleitende Totalgefühl ergiebt
in den Temperamenten eine vierte Klasse von bestimmenden Unterscheidungs
gründen der Individualität.
5. In der Verschiedenheit des Zeitmaßes und der Geschwindigkeit
der geistigen Ereignisse, vorzüglich infolge des größeren oder geringeren
physiologischen Druckes, ist eine fünfte Klasse von Abweichungen der
Individualitäten begründet.
6. Eine sechste Klasse von Jndividualitätsunterschieden liegt darin,
je nachdem die gemäß der physiologischen Resonanz mehr oder weniger
tiefen und kräftigen Störungen des Gedankenkreises schneller oder lang
samer, früher oder später wieder zum Gleichgewicht gelangen.
7. Die Individualität des Zöglings besteht ferner aus demjenigen
Bestandteil, der mit dem Geist der Kinderwelt überhaupt,
8. aus demjenigen, der seinem Bewußtsein mit dem Volksbewußtsein,
9. aus demjenigen, der seinem Bewußtsein mit dem Zeitbewußtsein
eigen ist.
10. Zu dem allen kommt noch der Faktor des Berufsstandes.
(Unter die letzteren Bestandteile, die eine nähere Auseinandersetzung
des 8ud 1 Angeführten sind, verteilt sich auch der Faktor des Auf
enthaltsortes.)
Es versteht sich von selbst, daß wir die psychologische Analyse des
Volksgeistes, die Charakteristik des psychischen Nationaltypus, die Dar
legung der das Volkstum ausmachenden Faktoren und ihres Verhältnisses
zu einander, Aufgaben, welche sich die aus der Herbartischen Psychologie
erwachsene neue Wissenschaft der Völkerpsychologie gestellt und mit
Glück in Angriff genommen hat, mit Freuden in den Dienst unserer
Pädagogik stellen und stellen werden. Denn „von den großen Verbänden,
welche vereint den sozialen Organismus konstituieren, ist der nationale,
der Volksverband, weil von Natur am unmittelbarsten vorbereitet, der
ursprünglichste und festeste, und wenn es sich um die soziale Lebens
erneuerung handelt, so kommt als Subjekt und Träger derselben in erster
Linie das Volk in Betracht. Vorzugsweise der nationale Typus wird

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