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Lettau,
z. B. „Das Sternthalermärchen" (vgl. S. 339 ff. des „Protestes")
nicht bloß in einer einzelnen Unterrichtsdisziplin. Ich habe ihn übrigens
mehrmals äußern hören, „daß alle gescheidten Lehrer auch schon lange
vor Herbart herbartisch unterrichtet, nämlich die drei Hauptstadien
beim Unterricht sorgfältig berücksichtigt hätten: 1) anschauliche Vorfüh
rung des Neuen, 2) eingehendes Verständnis und 3) selbständiges Repro
duzieren desselben; indessen sei Herbarts Verdienst eine feine Mo
tivierung der zweckmäßigen Unterrichtsweise."
Drittens hatte ich einen „wissenschaftlich gebildeten" und zugleich
praktisch erfahrenen, christgläubigen Lehrer vorgeführt, der die gegen
Herbart (und die „Allgemeinen Bestimmungen") erhobenen Bedenken zu
sammenzufassen bezw. zu klären und auf ein richtiges Maß zurückzuführen
versuchen sollte. Ich gebe zu, daß dieser von mir angestrebte Entscheid
in den qu. Mitteilungen nicht deutlich genug, zumal für eilfertige und
vorurteilsvolle Leser, herausgestellt worden, und möchte mir darum er
lauben, diesen Mangel, mit besonderer Rücksicht auf den „Protest" des
Herrn Glöckner, im Nachfolgenden in möglichster Kürze abzuhelfen.
I. Was von der Philosophie in ihrem Verhältnis zur
Theologie gilt.
Die Philosophie ist als „Wissenschaft der Prinzipien", als die
Auffassung aller Erscheinungen in ihrem innern Zusammenhange, nach
ihrer Ursache und ihrem Ziel (somit absolute Welterkenntnis, insbeson
dere die Erkenntnis der Herrlichkeit des Schöpfers und seines Weltplanes
erstrebend) wichtig, ja unentbehrlich für jede andere Wissen
schaft. Auch die Theologie, als „Ausbildung der Offenbarungserkenntnis
zur Wissenschaft" (der Erkenntnis Gottes als dessen, der die Menschen
zu sich zieht, ihnen den Heilsweg zeigt, sie an sich bindet), bedarf der
Philosophie, indem sie nur von dieser die Begriffe, Kategorieen rc., über
deren Feststellung die Offenbarung nichts enthält, entnehmen kann. Es
ist aber falsch (mindestens in hohem Grade mißverständlich) zu sagen:
„Die Philosophie sei auch in Bezug auf die Theologie eine norma
tive Wissenschaft, oder jede Wissenschaft, also auch die Theologie, be
ruhe auf dem Grunde der Philosophie (vgl. S. 323 des „Protestes");
sie habe zu allen Zeiten die Dogmatik beeinflußt, sei ein Korrektiv für
dieselbe geworden und gewähre die Hoffnung, daß durch sie noch viele
konfessionelle und dogmatische Schwierigkeiten gehoben werden könnten". —
Wenn die Philosophie versucht hat, einen Einfluß auf den Glaubens
inhalt, mit dem es die Theologie zu thun hat, oder auf ihre Resul-

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