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Ernst Wilhelm Kegel t-
Bücher, die der Vater besaß, vor allen die heilige Schrift. Der Vater,
welcher Gottes Wort lieb hatte und durch den wegen seines lutherischen
Bekenntnisses viel angefeindeten Pastor Kellner in Hönigern in die Ge
meinschaft der lutherischen Kirche aufgenommen worden war, konnte seinen
Kindern keine irdischen Güter mitgeben, aber das Eine, das not ist, hat
er ihnen lieb und wertvoll gemacht. Der Pastor, der Wilhelm Kegel
unterrichtete und konfirmierte, ermutigte den Vater, seinen sehr befähigten
Sohn weiter ausbilden zu lassen und ihn dem Dienste im Reiche Gottes
zu widmen. Aber die Mittel dazu fehlten. Da nahm sich ein Lehrer
des Knaben an und bereitete ihn für das Seminar vor. Im Jahre 1853
ging er nach Erfurt*), von wo er 1856 mit dem Zeugnis No. I heim
kehrte. „Es ist dem Menschen gut, daß er das Joch trage in seiner
Jugend." Das ist auch an unserm Kegel wahr geworden. Mit Kennt
nissen wohl ausgestattet, voll Strebens, sich weiter zu bilden, in herz
licher Liebe zur Jugend und in aufrichtiger, lauterer Frömmigkeit, begie
rig die Seelen der Kinder dem Herrn Jesu zuzuführen, trat er das
Lehramt an. Er ging nach Rogasen in eine von Herrn von Thrämer,
dem Stifter unseres Vereins, geleitete Privatschule. Hier lernte er
Thrämer nicht nur kennen, sondern lieben und hoch schätzen.**) Aus
Thrämers Gedanken ging er begeistert ein. So war er eines der älte
sten und treuesten Mitglieder des evangelischen Schulvereins. Im Jahre
1858 siedelte er nach Berlin über, wo er auf Thrämers Empfehlung
die Leitung der von der lutherischen Gemeinde gegründeten Schule über
nahm. Hier war sein längstes und einflußreichstes Wirken. Als die
Schule sich vergrößerte und zu einer Mittelschule wurde, machte er das
Rektoratsexamen. Es liegt uns ein Zeugnis der vorgesetzten Behörde
vor, worin der Leitung der Schule das beste Lob erteilt und zugleich
ausgesprochen wird, daß die amtliche Prüfung in jedem Jahre einen
erfreulichen Fortschritt bekunde. So hat diese Schule dem Manne, der
sich ihr mit ganzer Liebe hingab, sehr viel zu danken. Seinen Kollegen
ging er mit brüderlicher Liebe und heiligem Eifer voran. Die Eltern
der Kinder fanden an ihm einen stets bereiten und freundlich willfährigen
*) Das dortige Seminar stand damals unter der tüchtigen Leitung des Direk
tors Rothmaler. Felliner Anzeiger vom 23. Februar in dem Nekrolog auf Kegel.
**) Unter dem Einfluß dieses ausgezeichneten Pädagogen und Denkers fand
Kegel jene tiefere Erfassung seines Berufes und jene größere Weite des Blickes,
welche, mit fortgesetztem Selbststudium verbunden, ihn über das normale Niveau
seminaristischer Bildung hoch hinaufhoben. Felliner Anzeiger a. a. O.

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