Ernst Wilhelm Kegel f.
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Helfer und Berater in allem, was das Wohl der Kinder betraf. Den
unmittelbarsten Segen haben diese durch seinen Unterricht gehabt. Dank
bare Schülerliebe möge dies aussprechen. Lebendig und anregend war
all sein Unterricht. Es mochte Schreiben oder Zeichnen sein, immer
waren die Stunden interessant. In hervorragender Weise war dies der
Fall in der Geschichte, dem Deutschen und der Religion. Die vater
ländische Geschichte, Aufgabe und Beruf des deutschen Volkes, das Walten
Gottes mitten unter menschlichen Verirrungen wußte er den Schülern
tief einzuprägen. Auch im deutschen Unterricht verstand er nicht nur
das Gefüge unserer Muttersprache anschaulich zu machen und den Wert
der Sprachrichtigkeit und Reinheit zum Bewußtsein zu bringen, sondern
auch zu freierem Bewegen des Geistes anzuregen. In diesen Gegen
ständen war Thrämers Geist bestimmend. Obenan stand der Religions
unterricht, und da waren es wieder vornämlich die Katechismusstunden,
die mit wahrer Freude von den Schülern erwartet und begrüßt wurden.
Außerhalb der Unterrichtsstunden verkehrte er mit seinen Schülern gern
und wie ein väterlicher Freund.*) Neben seiner leitenden und unter
richtenden Thätigkeit genoß er mit Eifer, was die große Stadt Bildendes
und den Geist Belebendes darbot. Auch dem Jünglingsverein der luthe
rischen Gemeinde, in dem sich viele seiner früheren Schüler sammelten,
diente er in hervorragender Weise. Er nahm an den Bewegungen des
politischen Lebens teil, als Christ und Patriot zu aller Zeit treu zu
König und Vaterland haltend. Ein größerer Freundeskreis hatte sich
um ihn gesellt und sammelte noch manche der übrigen Brocken seines
regen geistigen Lebens.
Durch v. Thrämer war Kegel mit den Verhältnissen der Ostsee
provinzen vertraut geworden. Der Direktor des livländischen Landes
gymnasiums in Fellin berief ihn im Jahre 1879 an diese Anstalt. Erst
auf die zweite Berufung, nachdem er innerlich gewiß geworden war, daß
es der von Gott ihm gewiesene Weg sei, ging er dahin. Es war ihm
nicht leicht geworden, diesen Entschluß zu fassen. Der Verlust für die
Verhältnisse in Berlin, in denen er so lange und in so reichem Segen
gewirkt hatte, war groß. Die Fahrt über die Ostsee war eine sehr
*) Nach dem Felliner Anzeiger hat der Berliner Schulrevisor vr. Berthold
trotz der Schwierigkeit der Verhältnisse Kegels ausgezeichnete Leistungen eigens
anerkannt. „Besonders, schreibt Dr. Berthold amtlich, verdient noch hervorgehoben
zu werden, daß er durch sein Beispiel wesentlich dazu beigetragen hat, daß der
Geist echter christlicher Liebe in der Schule erweckt und erhalten wurde."
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