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Ernst Wilhelm Kegel f.
stürmische. Wie eine Prophezeiung war es, daß sein Leben nicht mehr
lange in dem gewohnten ruhigen Geleise gehen sollte. In Livland fand
er die liebevollste Aufnahme. Er gewann bald Aller Herzen. Kaum
war er aber ein Jahr dort, als seine Gattin, mit der er in 17jähriger
glücklicher Ehe gelebt hatte, durch den Tod von seiner Seite genommen
wurde. Noch einmal lebte er auf, als er eine zweite Gattin heimführen
konnte. Nur kurze Zeit blühte ihm dieses Glück. Am 16. Februar
(d. 4. Febr. a. St.), nachdem er zum letztenmale in der Schule unter
richtet hatte, klagte er über Frost und legte sich nieder. Eine heftige
Gehirnentzündung verursachte ihm große Schmerzen. Am 19. (7.) Febr.
früh l l ls Uhr gab er seinen Geist auf, wenig über 47 Jahre alt. Mit großer
Beteiligung derer, die ihn gekannt, in tiefer Bewegung aller Leidtragenden
wurde sein Begräbnis begangen. Zum Text der Leichenrede konnte an
seinem Sarge mit gutem Fug und Recht das Wort gewählt werden:
„Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet,
ich habe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der
Gerechtigkeit" (2. Tim. 4, 7).
Seine Schüler, seine Kollegen, seine Freunde, alle beklagen den
schweren Verlust, auch der evangelische Schulverein verliert in ihm ein
wackeres und thätiges Mitglied. „Das Gedächtnis des Gerechten bleibt
im Segen."
Stets wachend und betend für sein und der ihm anvertrauten Kinder
ewiges Heil, eifrig und treu in seiüem köstlichen Amte, liebevoll und
herzlich, im Lehren und Leben derselbe, stets ein ganzer Mann, so leuchtete
er im Leben allen voran, und die ihn gekannt und geliebt haben, werden
das Bild des Mannes im Herzen tragen, so lange sie leben. — Dem
Stifter unsers Vereins schrieb er seiner Zeit einen von Hochachtung und
Begeisterung getragenen Nekrolog. Der Sohn des Herrn v. Thrämer,
der Oberlehrer am Gymnasium in Fellin ist, widmete unserm Freunde
einen Nachruf*), in dem er sagt: „In dem Wesen dieses Mannes lag
ein gewisses Etwas, das die Herzen gewinnen mußte: es war die Reinheit
und Lauterkeit seines Charakters, die warme Liebe zu den Menschen, den
großen wie den kleinen, der lebendige für alles Hohe und Ideale begeisterte
Pulsschlag seines Herzens. Und wer in vertrautem Verkehr auf den
Grund dieser fein besaiteten, aber zurückhaltenden Natur blicken durfte,
hat dort lauteres Gold erblickt".
*) Aus demselben, den Herr v. Thrämer mir zugesandt hat, habe ich oben
einige Stellen als Anmerkungen hingesetzt. Ko.

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