Zum vierhundertjährigen Geburtstage Rafaels.
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Gott gebe unserm deutschen evangelischen Volke viele solcher Lehrer
und erhalte die Lebenden in Treue, Kraft und Gesundheit.
A. S.
Zum vierhundertjährigen Geburtstag Rafaels.
So hoch uns auch die Religion über allen Lebensmächten steht, so
verachten wir doch als evangelische Christen, zumal wenn wir einem
Luther nachstreben, nicht menschliche Kunst und Wissenschaft, ja im Licht
des Christentums der Schrift verstehen wir erst ganz das kühne Wort:
Alles ist euer.
Wie sollte da nicht auch des Deutschen Evangelischen Schulvereins
Organ mit herzlicher Dankbarkeit gegen den Geber aller guten und voll
kommenen Gabe des Malerfürsten gedenken, der vor 400 Jahren am
6. April*) 1483 geboren ward? Nicht daß wir der Träumerei eines
Richard Wagner huldigen, der die Kunst zum Ersatz der Religion zu
machen gedachte, oder verkennen, daß im allgemeinen Rafael Santi
allerdings, wie die Neue Evangelische Kirchenzeitung vom 7. April
treffend bemerkt, der Maler des vollendeten Humanismus ist.
Aber alles Vergängliche ist uns ein Gleichnis des Ewigen, zumal
alles Große, Vollendete auf Erden. So steht uns Goethe, wenngleich
zunächst auch nur Prophet des Humanismus, sehr hoch; denn so
weissagt er auf die Verklärung der Welt durch das volle Licht Gottes
zu unvergänglicher Schöne. Aber wie durch manche seiner Werke ein
Sehnen nach dem Höchsten, ein Ahnen christlicher Wahrheit hindurch
geht; wie der Geist Gottes den gewaltigen Mann treibt, Tieferes zu
erkunden, als er selbst wohl begreifen mochte; wie ihn darum auch
echt christliche Auffassung z. B. eines Vilmar hoch gefeiert hat und
gegen einseitige Kleinmeisterei herzhaft verteidigt: so ist uns auch Rafaels
Schönheit ein unbewußter Typus der Schönheit des Reiches Christi;
so gewahren wir doch auch in seinen Gemälden etwas, was hinausgeht
über gewöhnlich menschliches Talent und Darstellung irdischer Schönheit;
so schätzen wir auch in ihm die Frucht christlicher Kultur.
Wenigstens seine sixtinische Madonna, deren Anschauen allein
schon eine Reise nach dem Elb-Florenz verlohnt, ist ein Werk von Gottes
Geist gegeben, das den Empfänglichen wunderbar ergreift, in dessen
*) So nach den Forschungen des pommerschen Meisters christlicher Kunst
geschichte, Prof. D. Ferd. Piper in Berlin.

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