ein Luther-Jubiläum beging.
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weiße Hemden gekleidet und trugen (auf dem Haupte?) grüne Rosmarin
kränze, an welchen die Buchstaben J. L. 8. (Jubilaeum Lutberanum
Secundum) nebst der Jahreszahl 1717 angeheftet waren. Dann folgten
17 Knaben aus des Rektors Klaffe in Begleitung dieses ihres Lehrers,
angethan mit den damals gewöhnlichen Mänteln. Der Zug ging aus
des Superintendenten Amtswohnung über den Markt in die Kirche, wo
für die Knaben vor dem Altar in zwei Halbkreisen „Sessel" gestellt
waren. Vor dem „Epistel-Stühlchen" befand sich ein Gerüst, auf welchem
sie auftreten sollten. Es war mit blauem Tuch belegt und mit Blumen
und Tannen, woran Zitronen hingen, geschmückt. Als sich die Knaben
gesetzt hatten, begann der Mus mit dem Gesang: „Komm, heiliger
Geist rc." und „Es woll' uns Gott gnädig sein rc." Sodann verlas
der Diakonus Psalm 87. Darauf wurde eine besonders für das Fest
gedichtete und in Musik gesetzte Arie vom Chore vorgetragen und mit
Instrumenten begleitet. Vier von den acht kleineren Knaben betraten
sodann das Gerüst und „ermunterten einander in kurzen Versen zum
Lobe Gottes." Diesen folgten 16 größere und erzählten einer nach dem
andern „das ganze Leben des sel. Herrn Lutheri von seiner Geburt bis
zu seinem Begräbnis" in kurzen Abschnitten, deren jeder einem der Knaben
zugeteilt war: 1. Von den Jubiläen. 2. Von den Weissagungen auf
Luther (Off. Joh. 14, 6; Hus, Hilten, der alte Priester im Augustiner
kloster zu Erfurt und der Traum Friedrichs des Weisen). 3. Von den
Eltern und von der Geburt Luthers. 4. Von der Erziehung Luthers
bis 1503. 5. Von seinem Mönchsstand. 6. Von Luthers dreifachem
Beruf durch Ordination, Professur und Doktorwürde. 7. Luthers Thesen
wider den Ablaß und sein Bekenntnis vor Cajetan. 8. Luthers Ver
antwortung zu Worms. 9. Luther auf der Wartburg. 10. Übergabe
der Augsburgischen Konfession. 11. Übersetzung der Bibel. 12. Die
Schmalkaldischen Artikel. 13. Von Luthers Ehestand. 14. Von den
besonderen Gaben Luthers. 15. Von seiner Krankheit und seligem Abschied.
16. Von seinem Begräbnis. — Endlich trat der Primus der Schule
mit den vier übrigen kleinen Knaben auf das Gerüste, hielt einen kurzen
„Epilogus" und warf sich dann mit seinen kleinen Begleitern auf die
Kniee, dankte „dem großen Gott vor bishero der evangelischen Kirche
erzeigte Gnade" und befahl dieselbe „dessen fernerem Schutz, Güte und
treuer Vorsorge." Die vier Knaben sprachen dann in Reimen kurze Für-
bitten, der erste für die Kirche, der zweite für den Kaiser und das fürst
liche Haus, der dritte für seine Vaterstadt und der vierte für seine liebe

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