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Preisausschreibung.
lichen Charakter, daß alle Erfahrungen, welche der Erziehung Nutzen
bringen können, sorgfältig verwendet werden.
Die wissenschaftliche Darstellung der Pädagogik muß sich auf den
Boden des wirklichen Lebens stellen. Da nun ein Mensch in ubstraoto
nicht existiert, sondern nur in bestimmter konkreter Erscheinung, so giebt
es auch keine allgemeine Pädagogik. In Wirklichkeit hat die Erziehung
auch immer einen ganz bestimmten Charakter. Religion, Nationalität
und Lebensstellung drücken derselben ihr Gepräge auf. Auch die christ
liche Pädagogik ist nicht überall dieselbe. Palmer hat deshalb Ver
anlassung genommen, seine Erziehungslehre als eine evangelische zu
bezeichnenb). Wenn gegenwärtiges Handbuch sich nicht gleichfalls als
Handbuch der evangelischen Erziehungslehre, sondern als ein Handbuch
der christlichen Pädagogik ankündigt, so geschieht dies ganz allein deshalb,
um schon auf dem Titelblatt zu erklären, daß nicht etwa eine allgemeine
Erziehungslehre auf evangelischem Standpunkte, sondern eine spezielle
Darstellung derjenigen Momente gegeben werden soll, durch welche die
Erziehung ihren christlichen Charakter erhält.
Preisausschreibung zur Einreichung von Arbeiten über das Thema:
„Die Wahl eines gewerblichen Berufs."
Für jeden Knaben, welcher mit vollendeter Schulpflicht die Schule verläßt
und ein Handwerk oder ein Gewerbe ergreifen will, nicht minder für feine
Angehörigen ist die Frage, welcher Beruf gewählt werden solle, von der höch
sten Bedeutung. Von ihrer richtigen Beantwortung hängt das Lebensglück des
Individuums, ebenso das Wohlbefinden ganzer Familien der gegenwärtigen und
nachwachsenden Generation ab. Ihre Beantwortung ist mit großen Schwierig
keiten verknüpft. Denn selbst wenn Charakter und Fähigkeiten des Knaben
reiflich erwogen werden, so setzt fie bei denjenigen, welche zu raten und mitzu
entscheiden haben, ziemlich weitgehende Kenntnis der Eigentümlichkeiten der
verschiedenen Handwerke und Gewerbe und ein zutreffendes Urteil über die
Aussichten für das spätere Leben voraus, welche Voraussetzung aber nur selten
zutrifft. Die Auskunft von Gewerbetreibenden, mit der man sich in den meisten
Fällen begnügen muß, ist von zu vielen Faktoren und Zufälligkeiten abhängig,
als daß sie die notwendige Zuverlässigkeit beanspruchen könnte. Nur zu häufig
wird daher von dem jungen Menschen ein Beruf erwählt, zu welchem er weder
körperlich noch geistig geeignet ist, oder, wenn dieses der Fall wäre, der ihm
°) Ähnlich auf katholischer Seite: Ohler, Lehrbuch der Erziehung und des
Unterrichts, eine systematische Darstellung des gesamten kath. Volksschulwesens.
Mainz 1874, und Dur sch, Pädagogik oder Wissenschaft der christlichen Erziehung
aus dem Standpunkt des kath. Glaubens 1851.

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