Wissenschaftliche Darstellung der christlichen Pädagogie. 259
bald nach der Geburt Leuten aus niederem Stande übergäben und die
selben in diesem niederen Stande und für denselben erziehen ließen, so
würde man dies als ein Unrecht der Eltern gegen ihre Kinder bezeichnen.
Jedermann würde sagen: „diese Kinder haben das Recht, an den Vor
teilen, welche die höhere Lebensstellung ihrer Eltern mit sich bringt,
teilzunehmen." Ich frage: „bloß am Mammon?" Man antwortet:
„Ebenso auch, und dies ist noch höher anzuschlagen, an den geistigen
Vorteilen der Eltern." Ist nun die Religion das oberste geistige Gut,
so wird das Recht auf dieselbe am wenigsten leicht aufzugeben sein.
Folglich muß den Christenkindern, auch wenn sie nicht getauft worden
sind, das Recht auf christliche Erziehung gewahrt bleiben. Solche Kinder
sollen insbesondere vom Religionsunterrichte in Kirche und Schule nicht
ausgeschlossen sein, am wenigsten durch die Kirche selber. Vielmehr
muß es die Aufgabe der Kirche sein, das Recht dieser Kinder auf christ
liche Erziehung den säumigen Eltern gegenüber zu betonen und zur Gel
tung zu bringen.
Die Kindertaufe sichert den Christenkindern das Recht auf christliche
Erziehung, ein Recht, welches Eltern, Taufpaten und die Kirche zu be
achten versprechen. Wenn die Kirche durch die Seelsorge und auf dem
Wege der Disciplin nachlässige oder die Taufe verschmähende Eltern
dazu bewegt, ihre Kinder taufen zu lassen, so hält sie nicht bloß die
kirchliche Ordnung aufrecht, sondern hilft auch, ein wohlbegründetes Recht
der Kinder zur Geltung zu bringen. Vom Standpunkte der christlichen
Pädagogie ist ein solches Vorgehen der Kirche durchaus zu empfehlen.
Um das Recht der getauften Kinder auf christliche Erziehung zu
stärken, ist wiederholte Belehrung und Erinnerung über die Bedeutung
der heiligen Taufe in Predigt, Religionsunterricht, Katechismuslehre und
Seelsorge zu geben. Auch sind kirchliche Sitten bei der Taufe und Kon
firmation, sowie im Verhältnis zu den Taufpaten der christlichen Päda
gogie förderlich und deshalb zu empfehlen und zu pstegen.
Die Pflicht der christlichen Pädagogie.
a) In der Familie.
Wie Christenkinder das Recht auf christliche Erziehung, so haben
alle, welche erziehend auf sie einwirken, die Pflicht zur christlichen Päda
gogie. Diese Pflicht liegt zunächst den Eltern ob. Sie ist eine natür
liche, selbstverständliche, aber auch im Worte Gottes ausdrücklich aus
gesprochene. Christliche Eltern dürfen diese Pflicht nicht aus dem Grunde
9*

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.