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Sturmfels,
vernachlässigen, weil Kirche und Schule für christliche Erziehung sorgen.
Die christliche Erziehung in einem christlichen Familienleben ist die not
wendige Voraussetzung aller andern im gleichen Sinne wirkenden Be
strebungen. Das Hausgesinde und die Geschwister, sowie im Hause lebende
oder mit der Familie verkehrende miterziehende Verwandte und Freunde
dürfen der christlichen Pädagogik des Hauses nicht hinderlich werden.
Erläuterungen.
Die Jugend ist besonders empfänglich für äußere Einwirkungen,
empfängt Eindrücke von denselben und wird in ihrer weiteren Entwicke
lung durch dieselben bestimmt. Und nicht bloß die absichtlichen Einwir
kungen des Erziehers sind für die Entwickelung des jugendlichen Lebens
maßgebend, ebenso auch die zahlreichen ohne Absicht dem Kinde gewor
denen Eindrücke. Ja nach diesen letzteren bildet es sich in der Regel
mit besonderer Vorliebe, weil die Freiheit der eigenen Entschließung das
leichter vollbringt, was dem Erzieher gegenüber der Gehorsam thun muß.
Soll die Entwickelung des Kindes nicht eine planlose und verkehrte werden,
so darf man es den unabsichtlichen Einwirkungen nicht überlassen, sondern
muß dieselben, so viel als möglich, zu absichtlichen, planmäßigen gestalten.
Darum haben alle, welche mit dem Kinde in regelmäßige Berührung
kommen, die Pflicht zur absichtlichen erziehenden Einwirkung.
Schädlicher Einwirkungen müssen selbst Fernstehende sich enthalten.
Jesus warnt vor dem Ärgernis geben. Math. 18, 6. Es ist schon
außerordentlich viel gewonnen, wenn hierauf geachtet wird. Aber zur
Erziehung genügt dies nicht. Hier sind positive Einwirkungen nötig,
eine Forderung, welche gar oft übersehen wird, namentlich da, wo es sich
um christliche Erziehung handelt.
Mit der heiligen Taufe hat das christliche Leben des Kindes be
gonnen. Kann aber das zarte Pflänzchen gedeihen auf dem dürren
Boden des Unglaubens oder unter dem Gestrüppe der Weltsorgen und
der Weltlust oder unter der Gluthitze der Leidenschaften und Laster?
Kann es christliche Pädagogik geben in einem unchristlichen Familien
leben? Nimmermehr.
In dem christlichen Familienleben allein ist die rechte Lebenslust
vorhanden, in welcher das christliche Leben des Kindes sich entfalten und
gedeihen kann. Das christliche Familienleben ist die Voraussetzung aller
christlichen Erziehung. Darum sagt das neue Testament mehr von der
christlichen Ehe als von der christlichen Erziehung. Ist erst die Ehe

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