Verhandlungen des Berliner Lokalvereins rc. 263
Verhandlungen des Berliner Lokalvereins über die dortigen
Schulverhältnisse.
II.
In der am 28. März d. I. unter Vorsitz des dz. Ordners (Seminar
direktor Dr, Kaiser) abgehaltenen ordentlichen Sitzung des Berliner
Zweigvereins wurden die in der Januarversammlung begonnenen Ver
handlungen über die Berliner Schulverhältnisse fortgesetzt.
Der Ordner eröffnete die Sitzung mit Vorlegung einer von dem
Vorstande ausgearbeiteten Petition an S. Excellenz den Kultusminister
von Goßler, in welcher die äußerst bedauernswerten Mißstände, die
in konfessioneller Beziehung in den Berliner Gemeindeschulen herrschen,
eingehender dargelegt und um Abstellung derselben gebeten wird. Den
Wortlaut dieser Petition werden wir nach Eingang der Entscheidung Sr-
Excellenz des Herrn Kultusministers mit dem Bescheide selbst zu gleicher
Zeit zum Abdruck bringen. Für heute beschränken wir uns aus nahe
liegenden Gründen auf Heraushebung einzelner Punkte und Angabe des
Schlußantrages.
Nachdem im Eingänge der in umfangreichster Weise motivierten
Petition die Berechtigung der Petenten zu dem von ihnen unternommenen
Schritte betont und sodann der Standpunkt der Bittsteller in Bezug
auf die Simultanschule eingehender dargelegt ist, wird zunächst des Um
standes Erwähnung gethan, daß von den Berliner Gemeindeschulen acht
konfessionell-katholische, die andern 113 dagegen, allerdings nicht de jure,
wohl aber de facto, sämtlich simultane Anstalten seien.*)
Dann folgt eine eingehendere Darlegung der unerhörten Art und
Weise, in welcher das jüdische Element bei Anstellung von Gemeinde
schullehrerinnen Berücksichtigung resp. Bevorzugung findet, und schließlich
wird, nachdem auch noch darauf hingewiesen, daß die Behandlung der
Geschichte der Reformation im Geschichtsunterrichte der Gemeindeschulen
verboten ist, der folgende, allerdings sehr bescheiden formulierte Antrag
gestellt: „Euer Excellenz bitten wir daher ehrerbietigst, die Wieder-
*) Leider war bei Drucklegung der Petition dem Vorstande der Umstand
noch nicht bekannt, daß in jüngster Zeit ein Mitglied der städtischen Schul
deputation die amtliche Erklärung abgegeben hat, der Magistrat betrachte acht
der Gemeindeschulen als konfessionell-katholische, 5 derselben, die aus Stiftungen
hervorgegangen sind, als konfessionell-evangelische und all« übrigen (108) als
Simultanschulen, so daß hierauf in der Petition selbst noch nicht hat bezug
genommen werden können.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.