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Verhandlungen des Berliner Lokalvereins
bedingungen zu schaffen sind, das Erreichbare überspringen und dafür
Monologe halten soll über Zukunftspädagogik, deren Verwirklichung für
Deutschland offenbar noch in nebelgrauer Ferne liegt. Der verständige
Mann thut den zweiten Schritt nicht vor dem ersten. Wir glauben,
der deutsche Lehrertag hat mit seinem Votum in der Simultanschulfrage
das zur Zeit Erreichbare und Festzuhaltende getroffen." So ist zu lesen
in der Pädagogischen Zeitung Nr. 22 vom 27. Mai 1880. Es geht
doch nichts über offene, klare Meinungsäußerung. Man will die religions
lose Schule, hält es aber aus taktischen Gründen für richtiger, nicht mit
der Thür ins Haus zu fallen und dieselbe augenblicklich zu verlangen,
sondern die wahre Absicht noch bis zu gelegener Zeit zu unterdrücken
und begnügt sich mit dem zur Zeit Erreichbaren: der Simultanschule. —
Redner kommt nunmehr zu seinem eigentlichen Thema. In den
Berliner Gemeindeschulen ist im Gebrauch: „M. Fürbringer's bib
lische Geschichten, besorgt von H. Bertram, Stadtschulrat." Die von
dem jetzigen Herausgeber besorgten Ausgaben enthalten eine reiche An
zahl Abweichungen vom biblischen Text. Zunächst sehe ich ganz und
gar davon ab, ob die Verbesserungen sein sollenden Abweichungen in der
That Verbesserungen sind, und beschränke mich darauf, mein Urteil über
Abweichungen vom Lutherischen Text überhaupt abzugeben, wie ich es
zum Teil bereits in unserem Monatsblatte im vorigen Jahre S. 251
gethan habe. Luthers Bibelübersetzung ist ein Schatz von außerordent
lichem Wert, welche im Wortlaut ihre Mängel haben mag, aber den
Geist und Sinn des Urtextes hat Luther jedenfalls voll und ganz
erfaßt. Außerdem ist Luthers Bibeltext in einem solchen Maße Eigen
tum der deutschen Nation geworden, daß Änderungen desselben nur von
berufenen Vertretern der Gemeinden und zwar mit äußerster Vorsicht
vorgenommen werden dürfen und nur in den Fällen, wo ein unabweis
bares Bedürfnis vorliegt, wie es von der Eisenacher Konferenz geschieht.
Die Gegner sollten doch unsern Luther mindestens so achten, als unsere
Klassiker. Wer würde es wagen, an Schiller und Göthe zu ändern.
(Rufe: Herr Schulvorsteher Bohm.) Schrieb doch selbst unser Monats
blatt im vorigen Jahre S. 53 in Bezug auf den Hexameter aus
Hermann und Dorothea: „Daß dir werde die Nacht u. s. w." „Der
Wunsch einer leisen Änderung oder Streichung der betreffenden Stelle
wird nur ein frommer Wunsch bleiben. Denn man wird sich nicht
einigen können; man wird den Schrei der Entrüstung von Seiten der
litterarischen Puritaner und der „freien Geister" fürchten." Nur wenn

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