Abermals Herbart und Herbartianer.
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2. Was die Philosophie Herbarts insbesondere anbetrifft, so
ist es mir nicht in den Sinn gekommen, eine umfassende, abschließende
Kritik derselben liefern oder auch nur behaupten zu wollen, daß sie sich
in ein feindseliges Verhältnis zum Christentum stelle. Ich weiß gar
wohl, daß sie, wenn auch diesem im gründe indifferent gegenüber-
stehend, doch, wie z. B. Taute in seiner „Religionsphilosophie" gezeigt
hat, „einer Befreundung mit demselben nicht unfähig ist"
Indessen nimmt es mich wunder, noch jemanden gefunden zu haben,
(s. S. 325 des „Protestes")'der daran gezweifelt, daß auch das Herbart-
sche System — trotz seines Anspruches auf „wissenschaftliche Gewißheit"
— auf Grundanschauungen beruhe, die durchaus nicht mit zwingenden
Gründen erwiesen werden können, sondern eben auf Treue und Glauben
angenommen werden müssen.
Nur wenige Andeutungen als Belege hierfür:
I. Unerweislich sind die Widersprüche, die Herbart in den „durch
die Erfahrung uns aufgedrungenen" Begriffen findet. Trendelenburg
kommt in den „Beiträgen zur historischen Philosophie Bd. II p. 313 bis
351" zu dem Resultat: 1) „die von Herbart in den allgemeinen Erfah
rungsbegriffen bezeichneten Widersprüche sind keine Widersprüche; 2) wären
sie Widersprüche, so wären sie in seiner Metaphysik nicht gelöst; 3) wären
sie Widersprüche und wären sie gelöst, so blieben andere und größere un
gelöst".
II. Derselbe zeigt im 3. Band seiner „Beiträge re." S. 122—170
(in Bezug auf Herbarts Ethik), daß es höchst fraglich, ob das ver
meintlich im Interesse der Reinheit der sittlichen Auffassung aus seiner
Bedingtheit durch die natürlichen Wertunterschiede der geistigen Funk
tionen hinausgehobene, für absolut erklärte Urteil des Gefallens und
Mißfallens als letzter Grund des Schönen und des Sittlichen gelten
dürfe und ob es insbesondere die sittliche Verbindlichkeit genügend zu er
klären vermöge; eine „Schönheit", die in bloßen Verhältnissen als solche
liegt, oder eine Form, zu welcher der Inhalt nur als der unentbehrliche
Träger gesucht wird, entspricht dem Prinzip der sophistischen Rhetorik
(z. B. eines Aelius Aristides); wahrhaft befriedigend ist die ästhetische
Form nur als adäquater Ausdruck eines wertvollen Inhalts; die näm
liche Form oder das nämliche Verhältnis befriedigt oder mißfällt je
von Gerhardt, verglichen mit der modernen Systematik, fällt. Dasselbe ist
allgemein bekannt, wenn auch nur durch den Widerspruch, den es zu seiner Zeit
erfahren hat. Aber es wird noch geschehen, daß es sich allen bewährt.

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