Noch einige Worte über Herbarts Philosophie und Pädagogik rc. 275
Resultate des Hegelianismus anzukommen, daß Gott sich nur vermittelst
und in der Welt zum Selbstbewußtsein erhebe". (Thilo.) Dafür danken
wir aber. Dagegen behaupte ich, daß unser Erziehungsziel mit dem
richtigen Begriff der Gottähnlichkeit vollkommen übereinstimmt. Gott
muß doch gedacht werden als absolut heilige Persönlichkeit, oder um
mit Herbart zu reden, als das reelle Zentrum aller sittlichen Ideen.
Wollen wir Gott ähnlich werden, so müssen wir also danach streben,
unseren Willen der richtigen Einsicht, die wir in den sittlichen Ideen
gewonnen haben, allezeit unterzuordnen. Denn die Gottähnlichkeit kann
sich doch unmöglich auf die metaphysische Substanz Gottes beziehen,
sondern nur auf die sittlichen Eigenschaften. Es ist mithin Gottähnlichkeit
ein ganz idenüscher Ausdruck für das, was wir als Ziel der Erziehung
bezeichnen, immer vorausgesetzt, daß hier der christliche Gottesbegriff in
seiner vollen Reinheit festgehalten wird.
Die Erfüllung sittlicher Forderungen, wie sie auch der Erziehung
gestellt werden, läßt sich aber für sich allein gar nicht mit dem unver
drossenen Mute und der Zuversicht des Gelingens erstreben, die
ein entschiedenes Wollen verlangt. Ein solches Wollen beruht ja immer
auf der Überzeugung, daß das Erstrebte auch erreicht werden könne.
Nun steht aber die Gesetzmäßigkeit des Naturlaufes, wozu auch die
Naturbeschaffenheit des Zöglings und seiner äußeren Verhältnisse gehört,
zu der sittlichen Ordnung nicht in einer solchen Beziehung, daß sie beide
notwendigerweise zusammenträfen. Deshalb muß man voraussetzen, daß
die sittlichen Forderungen überhaupt und die der Erziehung gestellten
insbesondere zu dem allgemeinen Weltplane passen, und durch die Be
günstigung, die sie hier in den Veranstaltungen der Vorsehung für die Herr
schaft des Guten in der Welt finden, erreichbar sind. Erst unter dieser
Voraussetzung des Glaubens kann der Erzieher die volle Kraft des sitt
lichen Strebens gewinnen. Darum wird es aber auch der Erzieher, der
seine Thätigkeit im Zusammenhange mit dem Ganzen auffaßt, der gött
lichen Gnade danken, wenn und soweit er den ethischen Zweck der Erzie
hung am Zögling erreicht. Daher gilt dem christlichen Glauben mit
Recht das, was durch die Erziehung nach ihrem sittlichen Zweck geschehen
muß, als in höheren Fügungen begründet. Man hat also gar keinen
Grund, uns gegenüber immer auf die Wirksamkeit des
heiligen Geistes zu verweisen, als wollten wir dazu in
Gegensatz treten. Nur freilich halten wir uns hier alle Mystik in
dem Sinne fern, daß wir den Glauben an diese göttliche Wirksamkeit
10*

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.