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Glöckner.
düng, diejenige Abspannung, welche dem Interesse direkt und als äußerstes
Gegenteil zuwiderläuft. Die Gesundheit des geistigen Lebens erfordert
Ruhe und Reizbarkeit; beides zugleich liegt aber eben in dem Interesse;
und je mannigfaltiger und beharrlicher dieses, um desto größer die Summe
des geistigen Lebens. Wer etwas anderes unter dem Worte Bildung
versteht, mag seinen Sprachgebrauch behalten; aber seine Gedanken
müssen aus der Pädagogik wegbleiben." (Herbart.) Wo der Unterricht
nicht solche Bildung erzeugt, sondern lediglich Wissensstoff anhäuft, da
freilich wird die Kultur so oft das Grab des Charakters. Diese
vielseitige Bildung hat aber einen hohen Wert für die Sittlichkeit. Sie
erleichtert dem Menschen den Wechsel seiner Beschäftigungen und Zwecke,
wenn ihm derselbe durch die Umstände geboten wird. Sie befähigt ihn,
in Geduld und Ergebung von Zielen abzulassen und Plänen zu entsagen,
die nach der Lage der Verhältnisse aufgegeben werden müssen; sie ver
leiht Leichtigkeit und Lust, überzugehen zu einer neuen Beschäftigung und
Lebensweise, und alles das ist besonders wichtig in einem Leben voll
von Glückswechseln und widrigen Schicksalen. Und das hat für die
Jugend große Bedeutung: denn der religiös-sittliche Charakter darf sich
nicht, wie der Charakter des Ehrgeizigen und Eigennützigen, an irgend
welche äußere Güter hängen. Das nennt unsere Religion einen Götzen
dienst. Herr Lettau sagt, die beste Begründung des vielseitigen Unter
richts stehe geschrieben Eph. 4, 15: Wachset in allen Stücken an dem,
der das Haupt ist, Christus. Abgesehen davon, daß der Apostel dabei
sicher nicht an die Vielseitigkeit des Unterrichts dachte, stimmt der Ge
danke ganz mit dem oben Gesagten überein. Ich wüßte wenigstens nicht,
in welchem andern Sinne man durch Naturkunde, Mathematik rc. an
Christo wachsen könnte.
Aber dies alles genügt noch nicht. Das vielseitige Interesse könnte
auseinanderfahren, und Planlosigkeit, Zersplitterung, Zerfahrenheit würde
das Resultat sein. Soll dies nicht geschehen, so muß bei aller Viel
seitigkeit des Strebens doch eine Hauptrichtung, ein Hauptziel
vorherrschen, mit dem die einzelnen nebengeordneten Zwecke in die ent
sprechende Verbindung zu setzen sind. Das bringt in die Mannigfaltigkeit
des Strebens eine innere Einheit. Und was kann dieser Einigungspunkt
in Rücksicht auf das Ziel der Erziehung anders sein als das religiös-
sittliche Moment? Dies steht im Mittelpunkt des gesamten
Unterrichts. Aber wir sagen es nochmals, soll dies mehr sein als
eine Phrase, dann müssen eben alle Vorstellungskreise auf das engste mit

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