284 Wäre nicht das Internat für die Präparanden-Anstalten,
wert und segensreich gezeigt. Auch die vom Staate für notwendig er
achteten Kadettenhäuser, der alte Ruhm Schulpsortas, der jetzt um die
klerikalen Knabenseminare entbrannte Kampf sprechen für die Zweck
mäßigkeit der frühen Schulung und Erziehung für einen bestimmten
Lebensberuf; denn man biegt den Baum am besten, wenn er jung ist.
Soll diese Fachbildung aber nicht zu einseitig und dem Leben ent
fremdend wirken, so muß in den Seminaren dann das Externst eintreten.
Die Gefahren des Externats für Seminaristen sind nicht zu ver
kennen; doch stehen die Erfahrungen der deutschen Universitäten beruhigend
zur Seite. Mögen auch einzelne, haltlose Menschen verkommen, besser
jetzt als im Amte oder als junge Familienväter! Die gehaltvolleren
Charaktere werden sich vielleicht in germanischer Weise austoben, aber
doch am Ende noch tüchtige Lehrer werden oder in andere Lebensbahnen
übergehen. Außerdem wohnt in den jungen Leuten, die sich dem Volks
schullehrerberuf widmen, viel guter Wille, treuer Fleiß und gute Arbeits
kraft — oft mehr wie in Gymnasiasten und Studenten — die, geleitet
und angezogen von tüchtigen Seminarlehrern, auch in der Freiheit Er
freuliches leisten würden.
Ohne den jetzigen Seminarien und ihren Leistungen irgendwie zu
nahe treten zu wollen, wird doch der, welcher nur einigermaßen, so
zu sagen, hinter die Koulissen geschaut hat, wissen, daß das jetzige
System an mancherlei Unzuträglichkeiten leidet. — In einer Zeit,
die ohnehin so sehr aller Zucht und Ordnung widerstrebt, werden Jüng
linge, die zum Teil eine sehr ungenügende Erziehung genossen haben
und sich bis dahin völlig ungebunden entwickeln konnten, drei Jahre lang
in ein Internat genommen und einer für jede solche Anstalt notwendigen
Hausordnung unterworfen, die oft aber nicht das Wesentliche von dem
Unwesentlichen unterscheidet.
Wird die Hausordnung straff gehandhabt, oder macht sich eine ent
schieden religiöse Einwirkung stark geltend, so ist Gefahr vorhanden,
Heuchelei, Augendienerei und allerlei unwürdige List zu fördern, dieselbe
zu umgehen. Wird dagegen die Hausordnung und Aufsicht schlaff ge
handhabt, so geht ihre erziehende Wirkung ganz verloren und stumpft
in den Zöglingen noch mehr den Sinn für Pflicht, Ordnung, Amtstreue
ab, über dessen Mangel man bereits vielfach im Amtsleben Klage ver
nimmt. Manche Reibung und Erbitterung, und oft kleinlicher Dinge
willen, würde zwischen Lehrern und Zöglingen im Externst vermieden.
Tüchtige Pädagogen würden in der freieren Stellung zu einander mehr

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