286 L. Schmidt. Das Brot in seiner Bedeutung für den Christen.
Wendung des Messers zum Schneiden unnötig war. Hiervon stammt bei
uns auch noch der Gebrauch, die aus feinem Brotteig gebackenen Abend
mahlsoblaten oder Hostien in flacher kreisrunder Gestalt herzustellen.
Die verkleinerte Form dieser runden Brotplättchen kommt daher, daß
für jeden Kommunikanten eine ganze Oblate bestimmt ist. Die Juden
haben noch bis heute für ihr Ostergebäck die flache Fladenform bei
behalten.
Je mehr sich in der christlichen Zeit die Feier des heiligen
Weihnachtsfestes einbürgerte, wurde die flache Form des Brotes im
täglichen Leben aufgegeben und dafür die längliche, einem einge
wickelten Kinde gleichende, angenommen, wie sie jetzt überall unter
Christen üblich ist. Das soll nämlich das heilige Christkind bedeuten.
Unser HErr Christus hat sich selbst vornehmlich mit dem Brote ver
glichen, wie Joh. 6 zu lesen ist, und unter der Gestalt, des Brotes giebt
er sich uns auch im heiligen Abendmahl leibhaftig zu genießen. Kein
andres Nahrungsmittel hat unser HCrr so ausgezeichnet, wie das Brot.
Darum haben auch die Christen von alters her das Brot zur bildlichen
Darstellung Christi angewendet. Besonders haben sie zu Weihnachten,
dem Geburtsfeste unsers Heilandes allerlei größere und kleinere Kuchen
in der Gestalt des eingewickelten Christkindes geformt und damit ihre
Kinder beschenkt, um dadurch die Gabe des himmlischen Vaters an uns,
seine Menschenkinder, darzustellen, welche er uns zu Weihnachten beschert
hat. Auch heute besteht diese schöne Sitte noch unter uns. Oft ist das
Kindlein deutlich 'mit Gesicht, Händen und Wickelband ausgeprägt; oft
ist nur die allgemeine Gestalt beibehalten, wie in den größeren Wecken
oder Stuten, welche ja bei uns überall noch zu jeder Weihnachtsbeschen-
kung notwendig gehören. Davon ist es denn Sitte geworden, auch dem
Brote im alltäglichen Leben die längliche, im allgemeinen dem ein
gewickelten Christkinde gleichende Form zu geben. Häufig wird die Figur
noch deutlicher hervorgehoben durch zwei Querschnitte nicht weit von
jedem Ende des Brotes, welche die beiden Wickelbänder um die Füße
und unter den Armen des Kindes bedeuten sollen. Hiernach erklärt es
sich, daß wir von einem „Leib" Brot sprechen. Die Schreibart „Laib"
ist eine willkürlich beibehaltene alte Form; das althochdeutsche Stamm
wort ist „lip“ und bedeutet „Leben". Im gotischen Vaterunser betet
die vierte Bitte um hlaif unsara.
Die Christen haben auf diese Weise das Brot unter allen andern
Nahrungsmitteln stets mit besonderer Andacht behandelt. Viele schlagen

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