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Die geistliche Schulinspektion.
besteht, was aber in dieser Beziehung gesagt ist, lassen wir beiseite;
über jene Rede dürfte nunmehr genug gestritten und das Für und Wider
in den interessierten Kreisen hinreichend bekannt sein. Der Vers, selbst
bezeichnet den positiven Teil der Schrift als ihren eigentlichen Zweck.
Dieser ist enthalten in den beiden ersten Artikeln, von denen der eine
„die allgemeinen Grundsätze einer gesunden Schulverfassung", der andere
eine Spezialuntersuchung über die Lokal- und Kreisschulinspektion dar
bietet. Das Ganze läuft hinaus auf eine energische Bestreitung der
geistlichen Schulaufsicht, verbunden mit Vorschlägen für die Neugestal
tung. Darauf beruht vornehmlich das Jnteresfe, das wir an dem
Buche nehmen.
Zwar wie oft ist nicht die geistliche Schulinspektion bestritten; wie
oft sind nicht Vorschläge gemacht worden, die eine Neugestaltung der
Schulaufsicht bezweckten! Wenn nun trotzdem Dörpfelds Ausführungen
unsere besondere Aufmerksamkeit erwecken, so hat das namentlich darin
seinen Grund, daß Dörpfeld, wenn auch nicht voll und ganz auf dem Boden
der Kirche, so doch auf dem Boden des positiven Christentums steht
und demzufolge bedacht ist, seinerseits auch die Interessen der Kirche
bei der Neuordnung wahrzunehmen. Betrachten wir vorerst, was er
vorschlägt.
Dörpfeld, der schon jahrzehntelang auf diesem Gebiete gearbeitet hat,
sieht das Heil der Schule in einer Schulverfassung, die sämtlichen
interessierten Korporationen gerecht wird, d. h. er will die Schule nicht
„rein büreaukratisch" regiert wissen, sondern verlangt, daß an geeigneten
Stellen, das heißt da, wo die Arbeit gethan wird, und da, wo prin
zipielle Fragen zur Entscheidung stehen, repräsentante Kollegien, nämlich
Lokalvorstände und Schulsynoden, eingeschoben werden, in welchen Familie,
bürgerliche Gemeinde, Staat, Kirche und Lehrerstand vertreten sind.
Über die Schulsynoden, ihre Zusammensetzung, ihren Wirkungskreis, wie
ihre Befugnisse spricht er sich in der vorliegenden Schrift nicht weiter
aus; dagegen widmet er den Lokalvorständen einige eingehendere Betrach
tungen. Dem Lokalvorstand sollen folgende Funktionen übertragen werden:
die Aufsicht „1. ob der Lebenswandel des Lehrers würdig ist; 2. ob
die Schularbeit wirklich geschieht, vorschriftsmäßig und pünktlich, was
mit der technischen Aufsicht nicht verwechselt werden dürfe; 3. wie die
Schulzucht und überhaupt der erziehliche Geist der Schule geartet ist;
4. Unterstützung und Schutz des Schulamtes; 5. Schlichtung von Diffe
renzen zwischen Lehrern und Eltern; 6. desgleichen innerhalb des Kolle-

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