Die geistliche Schulinspektion.
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im weiteren wird aber die eigene Erfahrung des Lehrers das Beste thun;
denn eines schickt sich nicht für alle; so wenig wir bestreiten, daß ein
tüchtiger Inspektor den Lehrer hier und da auch noch technisch fördern
kann, finden wir das Heil der Schule nicht in den allein seligmachenden
Methoden.
Mit dem Vorstehenden wollen wir nun keineswegs bestreiten, daß
der Schulinspektor einer technischen Bildung bedarf; wir wollten dieses
Bedürfnis nur in die richtigen Schranken weisen. Wir erkennen im
Gegenteil dieses Bedürfnis an, aber fragen getrost, ob denn diese schul
technische Bildung dem Geistlichen wirklich so fern liegt. Es handelt
sich hier um eine allgemein pädagogische und allgemein didaktische und
um eine ins einzelne verzweigte methodische Bildung. Da sagen wir nun
mit vollem Recht: fehlt einem Geistlichen die allgemein pädagogische
und allgemein didaktische Bildung, so ist das in erster Linie ein Fehler,
der dem Geistlichen als Geistlichen anzurechnen ist, ganz abgesehen von
der Schulinspektion. Ganz dasselbe aber gilt, was die einzelnen Zweige
der Methodik betrifft, von der Methodik des Religionsunterrichts. Der
Religionsunterricht aber ist wiederum nicht nur ein Hauptstück des Volks
unterrichts überhaupt, sondern in sich so mannigfaltig, daß das hier
gelernte Methodische vielfach auch anderen Unterrichtszweigen zugute
kommt. Da bleibt dann freilich immer noch ein Rest, und den muß
der Geistliche speziell um seiner Schulinspektion willen sich anzueignen
suchen; aber wer möchte behaupten, daß dies bei jenen Voraussetzungen
dem Geistlichen auch nur sonderlich schwer wird?
Zwar Dörpfeld und mit ihm andere hoch ehrenwerte Männer wie
Zahn und Landfermann werden dem entgegenhalten, dieser ganzen Er
örterung liege die hergebrachte geringschätzige Auffassung der Lehrer
bildung zu Grunde. Sie reden von weitgreifenden ethischen, psycholo
gischen, logischen u. dgl. Studien, welche die Lehrer machen müßten;
aber ganz abgesehen von der Frage, ob es denn den Geistlichen schwer
würde, auf diesen Gebieten ihre Meister zu bleiben, wir halten diese
Lehrerbildung angesichts der Wirklichkeit und ihrer Möglichkeiten für
ein Phantom. Die meisten Lehrer würden diese Dinge nicht ver
dauen, noch weniger sie praktisch zu verwerten wissen. Sollten jene
Pläne wirklich durchgeführt werden, dann müßte die Elite der Begabten
sich dem Lehrerstande widmen, und die Lehrer müßten wesentlich aka
demische Studien machen; an beides aber ist aus vielen Gründen nicht
zu denken, und ob schließlich die Volksschule dabei gut führe, bliebe uns

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