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Dis geistliche Schulinspeklion.
auf Grund unserer Erfahrung noch zweifelhaft. Über dieses Stück wäre
mehr zu sagen, aber wir lassen das hier.
Wir müssen uns aber gegen unsere vorhergehende Begründung, daß
die Geistlichen gerade als Geistliche sich sehr wohl für die Schulinspektion
eignen, noch auf einen weiteren Einwand gefaßt machen. Das sind
Theorien, wird man sagen; man verweist uns auf die Wirklichkeit.
Aber Dörpfeld selbst wird nicht meinen, daß die Sache durch Auf-
zeigung einzelner untüchtiger Schulinspektoren unter den Geistlichen zu
unseren Ungunsten entschieden ist; er weiß ja, daß wir solchen tüchtige
geistliche Schulinspektoren gegenüberstellen können. Wir stehen unsererseits
nicht an zuzugeben, daß es auch solche von der erstgenannten Art gibt;
ja, wir geben zu, daß es hier und da um die schulmännische
Bildung der Geistlichen in der That nicht so bestellt ist,
wie es sein sollte; es wird vielfach darauf ein zu geringes Gewicht
gelegt, und zwar gilt das nicht nur von jener speziell um der Schul
inspektion zu gewinnenden Bildung, es gilt das von der pädagogischen
Bildung der Geistlichen als solcher. Aber diese Mängel geben doch ver
nünftigerweise keine Veranlassung zur Bestreitung der geistlichen Schul
inspektion als solcher; Veranlassung geben sie, auf die Abstellung
dieser Mängel hinzuarbeiten, und dazu gehört u. E. ein Doppeltes, zu
nächst die Abstellung eines wesentlichen Mangels in der heuügen Weise
der Ausbildung unserer Kirchendiener. Wir können und wollen für
dieselbe nicht verzichten weder auf das Gymnasium noch auf die Univer
sität, aber ein ebenso wichtiger Faktor wie jene beiden ist das kirch
liche Seminar, das als Drittes hinzukommen müßte, um der allge
meinen und der theologisch-wissenschaftlichen Ausbildung eine kirchliche
Ausbildung hinzuzufügen. Wer die Kirche, ihr Wesen, ihre Geschichte,
ihren Dienst kennt und liebt, wird uns verstehen. Wir erörtern hier
nicht näher, wie dasselbe, jedenfalls anders als unsere Kandidatenstifte,
zu gestalten wäre; wir erwägen nicht, ob in ihnen nicht die einzig prak
tische Lösung der brennenden Frage nach dem Einfluß der Kirche auf
die Bildung ihrer Diener gegeben wäre; wir bemerken hier nur, daß
solche Seminare selbstverständlich auch für die pädagogische Bildung der
Geistlichen sorgen würden; rechnen doch alle kirchlich Gesinnten die Schul
aufgaben des Geistlichen, einerlei, wer in den höheren Instanzen die
Sachen in Händen hat, zu den Aufgaben des praktischen Kirchendienstes.
Also in dem Mangel solcher Seminare ist es zunächst begründet, daß
hier und da die Geistlichen nicht die wünschenswerte pädagogische Bildung

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