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Die geistliche Schulinspektion.
ist das Selbstbewußtsein, das Standesbewußtsein der Lehrer, das sich
gegen diese Institution aufbäumt, u. E. eine sehr beweiskräftige Wider
legung der Behauptung, die Lehrer brächten es unter der geistlichen
Schulinspektion nicht zu einem rechten, von Chorgeist erfüllten Stand.
Treten wir aber auch diesem Einwand näher.
Daß die diesbezüglichen Äußerungen Dörpfelds stark übertrieben
sind, wird kein Unparteiischer bestreiten. Damit ist aber die Frage noch
nicht entschieden, ob nicht dennoch in diesen Behauptungen ein objektiver
Wahrheitsgehalt, und, wenn nicht, ob ihnen nicht etwa eine gewisse
subjektive Berechtigung innewohnt.l Den objektiven Wahrheitsgehalt
bestreiten wir. Die Schule ist eine dem Staat und der Kirche subordinierte
Institution; Staat und Kirche schaffen und halten sie zum Zweck der
Erziehung der Jugend für die von Staat und Kirche repräsentierten
Zwecke, welche irdisch angesehen Selbstzwecke sind. Wie aber Staat und
Kirche die Schule schaffen und halten und die Lehrer, die Diener der
Schule, bilden, so bestellen sie nach ihrem sachgemäßen Ermessen die
Organe ihrer Aufsicht. Sie bedienen sich zur Wahrnehmung dieser Auf
sicht einer bereits bestehenden Kategorie von Beamten, die nicht nur eine
höhere Bildung als die zu Beaufsichtigenden sich angeeignet haben, sondern
nach verschiedenen Seiten für diesen Dienst besonders qualifiziert sind.
Das ist die Sachlage. Und darin soll eine Kränkung der Berufsehre
der Lehrer liegen? Dörpfeld fordert mit Recht eine Ordnung der Lehrer
karriere, aber diese gipfelt doch naturgemäß in dem Amt, dem die Leitung
eines größeren Schulganzen zusteht, dem Rektor- oder Hauptlehreramt.
Lehren ist doch der Beruf der Lehrer, nicht Schulaufsicht? Wo sich
Schulkollegien bilden, da halten wir es für naturgemäß und richtig, auch
der Lehrerschaft Sitz und Stimme zu gewähren; aber von solcher technischen
Beratung ist uns die von Staat und Kirche geübte Aufsicht durchaus
verschieden. Die Lehrer, die nicht Lust haben Lehrer zu bleiben, mögen
von dem Lehrerberufe überhaupt absehen; das wird der Schule nicht
schaden. Ja, wenn noch den Lehrern Personen als Vorgesetzte bestellt
würden, die notorisch einem niedrigeren Bildungsstande angehörten als
die Lehrer, dann möchte von einer Kränkung der Berufs- und Standes
ehre geredet werden können; es ist aber doch anerkanntermaßen das Gegen
teil der Fall. In der That, es ist höchst charakteristisch: dieselben, welche
sich in ihrer Berufsehre gekränkt fühlen durch die Schulinspektion der
höher gebildeten Geistlichen, entrüsten sich, wenn die Geistlichen sich weigern
hie Lokalschulinspektion zu führen, wofern eine seminaristische Kreisschul-

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