Die geistliche Schulinspektion.
297
Inspektion zur allgemeinen und dauernden Institution gemacht werden
sollte. Da kann doch in der That von einer Kränkung der Standes
ehre die Rede sein und deshalb von einer Pflicht, wenn auch der einzelne
Geistliche die für ein solches Verhältnis erforderliche Demut besitzt, dennoch
gegen eine solche Ordnung, im äußersten Fall durch Niederlegung der
Inspektion, sich zu wehren; aber für die Lehrer liegt die Sache umge
kehrt: nicht niedriger, sondern höher Gebildeten werden sie unterstellt;
das werden auch sie hier, wo es sich nicht um technische Befähigung,
sondern um Stand und Stellung, um soziale Ehre handelt, selbst aner
kennen müssen. Und obendrein: bietet nicht das öffentliche Leben eine
Fülle von Analogieen? Finden sie nicht ähnliche Verhältnisse auf dem
Gebiet der Verwaltung und der Justiz, des Zoll- wie des Forstwesens?
Hier wird zwischen höher und minder gebildeten Beamten eine Grenze
gezogen, die ideell minder scharf motiviert ist wie die zwischen Lehren
und Schulleiten einerseits und Schulaufsicht anderseits. Wir glauben
mithin guten Grund zu haben, wenn wir sagen: soweit die geistliche Schul
inspektion selbst in Betracht kommt, nicht aber die keineswegs mit der
selben notwendig verknüpfte Vorenthaltung des Hauptlehreramtes uud der
Teilnahme an Schulkollegien, ist ein objektiver Wahrheitsgehalt in Dörp-
felds Erörterungen über das Unrecht, die Kränkung re., die für die Lehrer
in der geistlichen Schulaufsicht liegen sollen, nicht vorhanden.
Etwas anders jedoch stellt sich die Frage, wenn wir nun die sub
jektive Berechtigung oder, wenn man will, die Begreiflichkeit der wesentlich
von Standesinteressen diktierten Opposition gegen die geistliche Schul
inspektion ins Auge fassen. Wir möchten durchaus nach allen Seiten
gerecht sein, auch gegen die Lehrer, deren Stand wir aufrichtig und
ehrlich lieben und ehren. Es ist ja unbestreitbar, daß sich die Schul
aufsicht von seiten des Staates und der Kirche auch anders ordnen ließe,
als sie gegenwärtig geordnet ist, und es ist ebenso unbestreitbar, daß es
zur äußerlichen Hebung des Lehrerstandes beitragen würde, zur Förderung
seines äußeren Ansehens, wenn die Schulinspektionsorgane, sei es auch
nur bis zur Kreisinstanz, aus der Mitte der Lehrer genommen würden.
Es ist freilich eine zweite Frage, ob diese Ordnung thatsächlich dem
Stande zum Heil dienen, ob sie nicht das Strebertum fördern, ob sie
nicht in weiten Kreisen direkt und indirekt nicht zu befriedigende Präten
sionen wachrufen und dadurch die Unzufriedenheit schließlich mehren
würde; aber das bleibt für jeden, der selbst einem Stande angehört und
Standesbewußtsein kennt, begreiflich, daß die große Mehrzahl nach jener

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.