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Die geistliche Schulinspektion.
äußerlichen Hebung des Standes trachtet, und nur ein Pharisäer wird
den Lehrern insgemein daraus einen sittlichen Vorwurf machen können.
Daraus aber, daß die geistliche Schulinspektion diesem Streben im Wege
steht, schöpft dann die Opposition gegen dieselbe nicht nur eine gewisse
subjektive Berechtigung, sondern auch eine Lebenskraft, die ihr eine dauernde
Existenz in den weitesten Kreisen der Lehrerwelt, keineswegs nur in den
antichristlich gesinnten sichert.
Das führt uns denn auf Dörpfelds dritten Einwand gegen die
hergebrachte Ordnung: sie störe das rechte Verhältnis zwischen Pfarrern
und Lehrern und insofern auch zwischen Kirche und Schule. Wenn
Dörpfeld in dieser Beziehung die Meinung ausspricht, nur jene Oppo
sition gegen die geistlichen Vorgesetzten habe der Simultanschule in
Lehrerkreisen Freunde erworben, so fürchten wir allerdings, daß er sich
teilweise irrt. Wir wissen auch, daß das Verhältnis zwischen Pfarrern
und Lehrern in der Wirklichkeit weit besser ist, als es sich auf den Lehrer
versammlungen und in den Lehrerzeitungen repräsentiert. Das aber bleibt
anzuerkennen und wird wohl auch nicht bestritten, daß die geistliche Schul
inspektion, wie sie einerseits den Einfluß der Kirche auf die Schule ver
mittelt, so anderseits denselben infolge jener Antipathie hemmt. Ist
aber jene Antipathie eine unüberwindliche, so lohnt es sich doch trotz aller
Sympathie für das Hergebrachte zu fragen, ob das Festhalten an der
selben unbedingt im kirchlichen Interesse liegt?
Es wird wohl von den Gegnern behauptet, wir verlangten die geist
liche Schulinspektion aus hierarchischen Gelüsten. Wir sind uns bewußt,
daß dieser Vorwurf aufs Allgemeine gesehen unbegründet ist. Was wir
wollen, ist der positiv christliche Charakter der Schule, der Charakter
der Schule als einer christlichen Erziehungsanstalt. Dies erreichen wir
aber nur, wenn die Kirche Einfluß auf die Schule hat. Mag es auch
von der Kirche losgelöste christliche Mächte geben, die Kirche ist und
bleibt die Trägerin des Christentums, und das von ihr losgelöste Christliche
ist haltlos, darum unzuverlässig. Also, das steht für uns außer allem
Zweifel: der Kirche muß ein wesentlicher Einfluß auf die Schule gewahrt
bleiben; es fragt sich nur, in welcher Form?
Bisher geschieht es in der Form, daß die Schulinspektion in erster
und größtenteils in zweiter Instanz von kirchlichen Organen wahrge
nommen wird; außerdem ist der Kirchenbehörde ein gewisser Einfluß auf
die religiösen Lehrmittel und teilweise auf die religiöse Lehrerbildung
gestattet; das Wesentliche bleibt aber heute jene geistliche Schulinspektion.

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