Die geistliche Schulinspektion.
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Kein Wunder, daß wir Christen darum kämpfen! Aber wie viel ist sie
eigentlich wert? Wir wollen absehen von ihrem widerruflichen Charakter,
wiewohl das eine Minderung ihres Wertes ist. Das Odium, das gegen
mannigfache moderne Schuleinrichtungen im Volke lebendig ist, fällt viel
fach auf die Geistlichen; wir wollen aber auch das nicht zu hoch veran
schlagen; durch den rechten Takt kann der Geistliche viel von diesem Odium
vermeiden, und wenn er z. B. mit Strenge auf Schulbesuch zu halten
gezwungen ist, so halten wir diese Strenge bei richtiger Durchführung
für ein Stück sittlicher Erziehung, die er seiner Gemeinde und ihrer Jugend
zuteil werden läßt. Bedenklicher als jenes alles ist uns dies, daß der
Schulinspektor erster und zweiter Instanz heutzutage eigentlich „sehr wenig
zu sagen hat"; er ist, und das läßt sich auch wohl kaum vermeiden, fast
nur Organ der staatlichen Zentralbehörden; von daher werden Stunden
verteilung und das Wesentliche des Lehrplans wie die Lehrmittel vor
geschrieben. Zwar, wir wissen wohl, daß Dekretieren und Ausführen
der Dekrete immerhin zwei Dinge sind, und das naturgemäß, nicht etwa
nur infolge heimlicher Opposition der Organe. Es liegt, und zwar mit
Recht, ein nicht unerheblicher Einfluß in der Ausgabe beschlossen, Vor
schriften in der Praxis durchzuführen, und das, je geistiger das Gebiet
ist, um so mehr; unter diesem Gesichtspunkte wird daher auch der kirchliche
Wert der geistlichen Schulinspektion allein! richtig gewürdigt; aber das
hebt das andere nicht auf, daß diese Inspektion, wie sie heutzutage ge
staltet ist, für die Kirche nur einen bedingten Wert hat.
Weit mehr als auf diesen indirekten Einfluß der Kirche kommt es
unseres Erachtens darauf an, ihr einen direkten Einfluß auf die Schule
zu wahren. Es liegt hier nahe, sich auf den bekannten Art. 24 der Ver
fassung zu berufen; aber mit einer nicht einmal genau definierten Leitung
des Religionsunterrichts seitens der Kirche ist der erforderliche Einfluß
gesichert; eine solche Beschränkung schmeckt reichlich nach der Irrlehre,
die Religion sei in der Schule nur ein Unterrichtsgegenstand wie andere
auch. Nein, es gilt das beides zu erstreben: einen maßgebenden Einfluß
der Kirche auf den Religionsunterricht, einen mitwirkenden auf die Schule
überhaupt. Selbstverständliche Voraussetzung hierfür ist der konfessionelle
Charakter der Schule, der unbedingt festzuhalten ist. Auf dieser Grund
lage wäre der Kirche folgendes zuzuweisen: die Seminar-Religionslehrer
werden nicht ohne Zustimmung des Kirchenregiments angestellt und die
Seminarentlassungsprüfungen nicht ohne einen Komissar des Kirchen
regiments abgehalten. In den Lehrplänen der Seminare wie der Schulen

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