von Präparanden und Seminaristen.
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hältnissen kommenden Präparanden nach der Forderung der formalen
Bildung von I möglichst auszudehnen, bietet das Land oft ebenso viele
sittliche Gefahren wie eine Stadt, und je weniger die Zöglinge einer
Anstalt eine gewisse hervortretende Stellung, wie das an kleinen Orten
sehr leicht geschehen kann, einnehmen können, je leichter ist ihre Erziehung
und geringer die Gefahr, in Hochmut zu geraten. Die Zahl der Zög
linge einer Anstalt auf 20—25 möchte ich auch nicht beschränken. Wenn
nur die Frage der Erziehung in Betracht käme, ja, dann so wenig
Zöglinge wie möglich; aber so sehr ich von der Notwendigkeit der Er
ziehung überzeugt bin, so wichtig ist mir auch der Unterricht. Dieser
drängt auf eine größere Zahl. Da der Zögling möglichst gleich nach
der Konfirmation in die Präparandenanstalt treten und bei der Aufnahme
ins Seminar das 17. Lebensjahr vollendet haben soll, so ergibt sich
daraus ein dreijähriger Unterrichtskursus. (Die Königl. Präparanden-
anstalten in Preußen haben zwar zweijährige Kurse, doch halte ich einen
dreijährigen für erstrebenswert, da ich einer Pause im Unterricht, mag
sie das 15. oder 17. Lebensjahr umfassen, sowohl aus unterrichtlichen
wie erziehlichen Gründen nicht das Wort reden kann.) Eine Anstalt
von ca. 25 Zöglingen könnte danach alljährlich nur ca. 8 Zöglinge ans
Seminar abgeben. In Preußen haben wir ca. 110 Seminare, welche
jährlich ca. 2750 Präparanden aufnehmen; es müßten deshalb dann
ca. 350 Präparandenanstalten nötig sein. Sowohl in unterrichtlicher
wie in finanzieller Beziehung läßt sich dagegen aber viel sagen. Ich
halte für die empfehlenswerteste Einrichtung organisch geordnete König
liche Präparandenanstalten mit Jnternatseinrichtungen zu je 90—100 Zög
lingen in Mittelstädten. Sie werden dem Staate viel billiger, als eine
größere Anzahl kleiner Internate und geben in ihrem dreijährigen Kursus
eine sichere Gewähr für eine dem Seminar erwünschte Vorbildung. Wenn
der Staat die Bildung derartig eingerichteter Präparandenanstalten in
die Hand nähme, würden wir schneller über die immer noch vorhandene
ungleichmäßige und oft mangelhafte Vorbildung der Präparanden bei
ihrer Aufnahme ins Seminar hinwegkommen.
111. Eine zweckmäßige Hausordnung ist natürlich zum Gedeihen
einer Anstalt die notwendige Voraussetzung, obwohl ich darin „etwas
Ackerbau" nicht aufgenommen sehen möchte. Unsere Schulverhältnisse,
selbst die einfachsten, erheben an den Lehrer so große Ansprüche an Zeit,
daß für Ackerbau im Lehrerberuf, wenn derselbe mit der ganzen Treue
geführt wird, kein Raum sich findet. Dagegen treibe man Garten-
und Obstbau auch schon in den Präparandenanstalten fleißig.

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