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Classen, Bildung
IV. Nach diesem Abschnitte wird „Förderung von Lehrgeschick,
Übersicht und Beherrschung des Lehrstoffes" von Präparandenanstalten
verlangt. So notwendig das Letztere, so verwerflich ist das Erstere.
Lehrgeschick zu fördern, überlasse man den Seminaren in seinen Stunden
für Pädagogik, Schulkunde und Schulpraxis. Die Präparandenanstalt
ist nichts weiter denn Vorbereitungsanstalt fürs Seminar; eigentliche
Berufsbildung hat erst das Seminar zu gewähren. Leider vergessen das
so viele Präparandenbildner auch heute noch. (Die vom Staate noch
geduldete, aber durchaus nicht als normal von ihm betrachtete Beschäfti
gung von Präparanden in kleinen Schulstellen hat allein seinen Grund
in dem immer noch teilweise vorhandenen Mangel an vorschriftsmäßig
gebildeten Lehrkräften. Wie eifrig der Staat bemüht ist, diesen Übel
stand abzustellen, zeigt die in dem letzten Jahrzehnt in großer Zahl ge
schehene Gründung von neuen Seminaren.) — Im Schlußsätze sagt der
Herr Pastor: „Diese Zwecke und Ziele werden — am billigsten in einem
Internat auf dem Lande erreicht." Ich möchte sagen: Die Zwecke
und Ziele der Präparandenbildung werden am besten in
Königlichen Anstalten, die bei dreijährigem Kursus Inter
nate sind und deren Lehrplan da abschließt, wo der Lehr
plan der Seminare beginnt, erreicht.
V. Gewiß sind Externate den Eltern kostspieliger und können zu
mancherlei Verführungen und bedenklichen Exzessen führen; aber diese
Verführungen und Exzesse sind nicht deshalb besonders zu fürchten, „weil
der Präparand den jetzt sehr verdorbenen, niederen Volksklassen näher
steht als der Gymnasiast." Ich meine, wir kommen der Wahrheit in
der Beurteilung der einzelnen Stände in bezug auf ihren sittlichen Wert
weit näher, wenn wir sagen: Ein jeder Stand stelle sich mit dem
Zöllner von ferne und hüte sich vor dem Pharisäerwort: „Ich danke
dir Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute." Wer mit offenen Augen
in der Welt lebt, der könnte, wenn er wollte, genug über die unter
Gymnasiasten vorgekommenen und vorkommenden Verführungen und Exzesse
— denke man nur z. B. an das geheime Verbindungswesen — klagen;
aber das gehört nicht hierher. Wir wollen Präparanden und zwar an
Leib und Seele gesunde Präparanden bilden, und für diese ist das
Internat die geeignetste Erziehungsstätte, wo sie unter straffer, väterlicher
Zucht stehen; denn
VI. Man biegt den Baum am besten, wenn er jung ist. —
VII. Von diesem Satze an sucht der Herr Pastor die Notwendigkeit

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