von Präparanden und Seminaristen.
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des Externats, denn erjagt: „muß", für die Seminare nachzuweisen.
Ich glaube, wenn der Herr Pastor mit den Seminarverhältnissen, wie
sie in Wirklichkeit sind, völlig vertraut wäre, würde er das Externat so
unter allen Umständen nicht fordern. Die Frage: Externat oder Internat?
kann man nur unter Erwägung der thatsächlichen Verhältnisse
beantworten. Und diese thatsächlichen Verhältnisse fordern weit häufiger
Internate als Externate. Gewiß sind schlecht geleitete Internate vom
Übel, aber gut geleitete Internate sind ein großer Segen. Sie
gewähren in reichem Maße alles das, was der Seminarist bedarf. Wer
dagegen ist, der denkt nicht daran, was alles er unseren aus armen Ver
hältnissen hervorgegangenen Seminaristen damit nehmen will. Freundliche,
warme Wohnung, reichliches, nahrhaftes Essen, sorgfältige Pflege in
Krankheitsnot und eine Erziehung zu Sauberkeit, Pünktlichkeit, Ordnung,
Fleiß, Zucht und Sitte, Gottesfurcht bei aller wünschenswerten Freiheit
bietet das Internat, und das Externat? Nun, ich kenne aus persönlicher
Erfahrung Internate und Externate. Wieviel teurer kommt dem Semi
naristen — der sich sehr oft das nötige Geld zum Aufenthalt auf dem
Seminare leihen muß — das Externat, und wer die Verhältnisse wirklich
kennt, weiß auch, daß geeignete Privatwohnungen in notwendiger Zahl
sich nicht immer finden. Was sich an Wohnungen für den geringen
Preis, den ein Seminarist zahlen kann, bietet, gewährt lange nicht das,
was ein Seminarist im Internate empfängt. Warum aber ein Internat
eine einseitige Fachbildung gewähren und dem Leben entfremdend wirken
soll, ist mir nicht recht begreiflich. Die Gewährung einer Fachbildung
ist zunächst die Aufgabe des Seminars, ganz gleich, ob es Internat oder
Externat ist. Daneben gewährt das Internat auch Charakter- und
gesellige Bildung, sei es durch den Umgang mit dem Lehrerkollegium,
sei es durch das Zusammenleben der Zöglinge. Außerdem gewährt das
Internat auch Freistunden an Wochen- und Festtagen, in denen die Semi
naristen alle Freiheit behufs Berührung mit anderen Personen haben.
Die gemeinsamen Ausflüge, der Besuch einzelner guter Konzerte, die
öffentlichen vaterländischen Feste gewähren auch Gelegenheit, Sitte und
Anstand sich anzueignen und dem Leben nicht fremd zu werden.
VIII. Es ist gut, daß der Herr Pastor die Gefahren des Externats
nicht verkennt, aber wenn er ihnen Erfahrungen der deutschen Universitäten
beruhigend zur Seite stellt, so ist das nicht zutreffend. Seminaristen
find keine Studenten und Universitäten keine Seminare. Würde der Herr
Pastor Erfahrungen im Seminare gesammelt haben, so müßte er, da

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