von Präparanden und Seminaristen.
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Internate, wenn gröbere Excesse vermieden werden sollen. Auch der Satz:
„Macht sich eine entschieden religiöse Einwirkung stark geltend, so ist
Gefahr vorhanden, Heuchelei, Augendienerei und allerlei unwürdige List
zu fördern" — gilt nach meiner Erfahrung in ganz gleicher Weise von
Externsten, wie er hier den Internaten zugesprochen ist. Zunächst ist,
so wie die Verhältnisse bis jetzt, Gott sei Dank, bei uns noch liegen, ein
jeder Seminardirektor wie Seminarlehrer durch seinen Amtseid verpflich
tet, entsprechend den Vorschriften seiner Kirche durch Wort und Wandel
zu lehren, ganz gleich, ob er vom Internat oder Externat angestellt ist,
und wer es mit seinem Amte als christlicher Lehrer treu meint, wird auch
die ihm gebotenen Mittel benutzen, religiöses Leben zu wecken und zu
fördern. Diese Mittel bestehen aus persönlichem Verkehr, gemeinsamer
Andacht und Religionsunterricht und sind im Externat so gefährlich wie
im Internat. Die Andacht ist freilich den Gegnern des Internats ein
besonderer Stein des Anstoßes, obgleich sie in den meisten Fällen —
Ausnahmen finden sich wohl nur bei besonderen Veranlassungen — wenige
Minuten in Anspruch nehmen, da sie nur aus der Vorlesung eines Bibel
abschnittes, einem kurzen Gebete und aus einem gemeinsam gesungenen
Anfangs- und Schlußverse bestehen. Ich bin dafür, daß das Wort: „Mit
Gott fang an, mit Gott hör auf, das ist der beste Lebenslauf" auch
ferner der Wahlspruch unseres täglichen Seminarlebens bleibe. Derjenige
täuscht sich gewaltig, welcher dem Einfluß dieser Mittel für das religiöse
Leben der Zöglinge — im Externat wie Internat — sehr hoch anschlägt.
Das, was der Jüngling ins Seminar mitbringt, was ihm während der
Seminarzeit im täglichen Verkehr außerhalb des Seminars entgegen tritt,
und die auch ihm nicht verschlossenen Zeitungen und Zeitschriften, alles
das übt einen so großen Einfluß aus, daß dadurch die religiöse Einwir
kung von seiten des Seminars oft ganz aufgehoben wird. Wer die Ver
hältnisse kennt, wird mir Recht geben. Wenn man „bereits vielfach im
Amtsleben Klage vernimmt über verloren gegangenen und abgestumpften
Sinn für Pflicht, Ordnung, Amtstreue", so weiß ich nicht, warum man
dafür das Internat an sich, selbst mit einer „schlaff geführten Haus
ordnung", allein veranwortlich machen will. Oder ist das vielleicht das
Resultat von darüber angestellten statistischen Erhebungen? Worüber
man im Amtsleben der Lehrer zu klagen hat, das hat seiner Zeit der
Herr Minister v. Puttkamer in seiner bekannten Rede gezeigt. Sollte die
Ursache zur Klage nicht vielleicht mit die Frucht der That sein, welche
der in der Präparandenbildung erfahrene Herr Pastor so bezeichnet: „Die

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