von Präparanden und Seminaristen.
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er sich durch die Erhaltung der Internat weit größere Zinsen als durch
die bloßen Unterstützungen an externe Zöglinge. Er erzieht allein schon
durch den im Internate gewährten nahrhaften und geregelten Mittags
tisch sich körperlich kräftige und gesunde Lehrer. Die Seminaristen
stammen meistens aus armen Familien und sind häufig bei ihrem Ein
tritt ins Seminar mangelhaft ernährt. Ist ihnen darum schon ein kräf
tiges Essen nötig, so beansprucht die anstrengende Arbeit im Seminar
wie gerade auch das jugendliche Alter der Zöglinge eine reichliche und
kräftige Nahrung. Diese erhalten sie im Internate, wie sie die „Privat-
spekulation" nun und nimmer gewährt und gewähren kann, da sie ver
dienen muß und zwar möglichst viel verdienen will. — Glaube man
doch auch nicht, daß in den Städten die besser situierten und gebildeten
Familien sehr zahlreich sind, welche zur Aufnahme von Zöglingen in
ihren Wohnungen Bereitwilligkeit zeigen. Nahrung und Wohnung der
Seminaristen sind z. B. gewiß mit Ursachen gewesen, das Seminar für
Stadtschulen in Berlin vor c. 8 Jahren — also gerade in einer Zeit,
wo der Ruf nach Externsten sehr stark war — aus einem Externst in
ein Internat zu verwandeln. Sollte aber jemand sagen: Ja, in Berlin
sind auch nach der Seite die Verhältnisse abnorm, in kleinen Städten
ists besser, dem rate ich, einige andere Externste und dann einige Inter
nate zu besuchen. Ich bin neugierig, was er dann sagen wird, und hoffe
mit gutem Gewissen, er wird mir zustimmen. Eigentlich hat der Herr
Pastor die Vorzüge des Internats gegen das Externat genügend hervor
gehoben, wenn er in dem XII. Absätze den Ausdruck „stattliche Paläste"
für Internate gebraucht.
XII. Auf den Inhalt dieses Satzes einzugehen, halte ich für die
jenigen nicht nötig, welche unsere Seminarverhältnisse wirklich kennen;
sie werden die darin den Behörden wie Seminarlehrerkollegien in solcher
Allgemeinheit gemachten schweren Vorwürfe für unberechtigt halten; aber
welche Schlüsse kann ein der Sache Fernstehender aus diesem Satze ziehen!
Muß er nicht annehmen, der krasseste Nihilismus wird in den Seminar
internaten gepredigt, weil „bei der jetzigen Kasernierung der Seminaristen
zu befürchten ist, daß ein Lehrergeschlecht hervorgehen werde, vor welchem
dem Staate am Ende selbst grauen mag?" — Es ist in der Allgemeinheit,
wie es ausgesprochen, nicht wahr, daß die Seminare (Internate wie
Externate haben bei uns gleiche Zwecke und Ziele) „eine einseitige Kopf
bildung auf Kosten des Herzens ähnlich den Karikaturen, wo der Kopf
unnatürlich, oft lächerlich groß entwickelt ist, die Brust aber klein, das

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