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Springer, Nach Reckhahn.
entgegen. War es das gewöhnliche Mittagsgeläut? Nein, es war der
Festgruß, welchen die Reckahner uns entgegensandten. Ehrenpforten mit
dem unvermeidlichen „Willkommen" zierten die Hauptstraße des Dorfes.
Zunächst zog der stattliche Zug vor das Schulhaus, dasselbe, welches
Eberhard v. Rochow 1773 bauen ließ und dessen der Straße zugekehrter
Giebel die Inschrift trägt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und
wehret ihnen nicht". Dort war eine mit Blumen bekränzte Redner
tribüne errichtet worden, bei welcher sich der Ortspfarrer mit seinem
Schulvorstande, der Superintendent aus Brandenburg, drei Herren von
Rochow, darunter der jetzige Erbherr von Reckahn, die Lehrer der
Umgegend und die Einwohnerschaft Reckahns versammelt hatten. Nach
der Begrüßungsansprache des Ortspfarrers entwarf Herr Schulinspektor
Schillmann in begeisterter Rede ein Lebensbild des Herrn Eberhard
von Rochow, worauf die Versammlung den Choral „Lobe den HErren"
sang. Herr Lehrer Häusler übergab mit passender Ansprache dem
Schulvorstande eine von der Berliner „Historischen Vereinigung" zusammen
gebrachte Volks- und Jugendbibliothek, Herr Schulinspektor vr. Jonas
die Photographie v. Rochows, nach einem alten Kupferstich angefertigt.
Hierauf ging der Zug nach dem vor dem Dorfe gelegenen neuen Kirch
hofe, woselbst in der Mitte an der dem Eingänge gegenübergelegenen
Mauer Herr Eberhard v. Rochow nebst seiner Gemahlin ruhen. Auf
das Grab des ersteren legte Herr Stadtschulrat vr. Bertram den
Lorbeerkranz mit passender Rede, auf das Grab der letzteren Fräulein
Seiffert, Tochter eines Berliner Rektors, unter Deklamation eines Gedichts.
Ein Sängerchor Berliner Lehrer sang eine Arie. Nun ging's zurück nach
dem alten Kirchhofe, der in unmittelbarer Nähe der Kirche und des
Schulhauses gelegen ist. Hier ruht an der Kirchmauer der Lehrer Bruns,
an dessen Grab, welches durch eine in Brandenburg lebende Enkelin des
selben würdig hergestellt worden war, ebenfalls eine Ansprache gehalten,
ein Kranz niedergelegt und eine Arie gesungen wurde. Bei so feierlicher
Gelegenheit mußte auch dem Gotteshause selbst ein Besuch abgestattet
werden. Die Festteilnehmer füllten es beinahe vollständig. Die über
Kanzel und Altar befindliche Orgel ertönte in dem Chorale: „Eine feste
Burg", und unser Sängerchor sang den 23. Psalm von Klein. Schließlich
begab sich der Festzug nach dem herrschaftlichen Park zu dem Denkmale,
welches Rochow „seinem Freunde" Bruns dort noch hat besonders errichten
lassen. Auf einfachem Sockel steht eine Urne, welche in goldenen Buch
staben jene berühmte Inschrift trägt, in welcher in lakonischer Kürze

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