Springer, Nach Reckhahn.
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v. Rochow alles das, was er von Bruns Rühmenswertes zu sagen wußte,
in die Worte zusammengefaßt hat: „Er war ein Lehrer".
Mittlerweile war es 2 Uhr geworden, und allgemach machten die
müden Kniee in ihrem Verlangen nach Ruhe und der ausgeruhte Magen
in seinem Verlangen nach Thätigkeit ihre Rechte geltend. Herr von
Rochow, d. h. der jetzige Besitzer von Reckahn, hatte in richtiger Vor
aussicht dieser Stimmung in liebenswürdiger Weise unter alten, schattigen
Bäumen seiner Parkes provisorische Bänke aufschlagen lassen. Am Wege
dahin standen Körbe mit Biergläsern. In urgemütlicher Weise langte
sich jeder eins derselben und hielt es, an Ort und Stelle angekommen,
unter den sprudelnden Hahn der aufgestellten Fässer und trank es dann,
auf schwanker Bank sitzend oder „gelagert in schwellendem Grün", aus.
Nun galt es noch der Schulstube Reckahns einen Besuch abzustatten,
was freilich nicht in corpore geschehen konnte, da der bescheidene Raum
mit seinen fünf Bänken nur 30—40 Kinder fassen kann. Ein dort aus
gelegtes Buch füllte sich mit den Namen der Besucher. Auf dem freien
Platze vor dem Gasthause fanden nun noch während der Fortsetzung des
frugalen Mahles die unvermeidlichen Toaste ihre Stelle, bis der biedere
Ortspädagoge von Reckahn noch einige markige Strophen auf den ehe
maligen Schutzpatron seiner Schule vortrug, die er in Parenthese mit
einigen nicht poetischen Randglossen würzte. Nur wenige hatten sich von
Brandenburg nach Reckahn den Luxus eines Wagens gegönnt. Es wurde
deshalb bekannt gemacht, daß Herr v. Rochow für den Rückweg Wagen
zur Verfügung stelle. Man wolle sich aber in Bezug auf dieselben keinen
Illusionen hingeben, es seien dieselben nur berechnet für solche Lehrer,
deren gymnastische Ausbildung es ihnen erlaube, den Fußgängern den
Genuß eines Schauturnens zu bieten. In der That fuhren etliche Leiter
wagen mit quer gelegten Brettern vor und — als ob die ministerielle
Verfügung in betreff der Leibesübungen wirkte — waren im Nu mit
kühnen Luftsprüngen besetzt. Diese Fahrt mit dem improvisierten Schau
turnen schloß, abgesehen von der prosaischen Eisenbahntour, die pädagogische
Wallfahrt.
Da der würdige Lehrer von Reckahn uns erzählte, daß er schon zu
„entsetzlich" vielen Malen Fremde habe zu Rochows Grabe geleiten
müssen, so mögen diese Zeilen die Anregung bieten, bei Gelegenheit einen
Abstecher zu machen nach „Reckahn".
Berlin.
Robert Springer, Rektor.

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