Nutzen der Missionsgeschichte für die Schule. 315
ihrer Freiheitsliebe und unerschrockenen Tapferkeit erfahre, alles erinnert
mich an unsere deutschen Vorfahren; selbst der afrikanische Biertopf und
die Vielweiberei der afrikanischen Großen bilden keine die Vergleichung
störenden Züge. Ehe die Kaffern sich dem fest geordneten Staatswesen
der Kap-Kolonie und der Weltmacht Englands gegenüber sahen, und mit
ihr um ihre Unabhängigkeit kämpften, bestanden sie in lauter kleinen
Gemeinwesen, die, nach Sprache und Sitte mit einander nahe verwandt,
in häufig wechselnden Sitzen unter unaufhörlichen Fehden lose neben
einander wohnten, gerade so wie unsere deutschen Vorfahren, ehe sie am
Rhein und an der Donau von der geschlossenen Macht des römischen
orbi8 terrarum abprallten und sich gleichsam aufstauten. Und wie diese
nun, um sich gegen die Heeresmacht und Herrschsucht der Römer bei
ihrer Freiheit behaupten zu können, sich unter einander enger verbanden,
und endlich zu den großen, starken Volksstämmen zusammen wuchsen, die
noch jetzt die mächtigen Glieder unsers Volkskörpers bilden: ebenso sehen
wir jetzt die kleinen Kaffernstämme sich unter der Gewaltherrschaft ent
schlossener Führer zu größeren Massen zusammenballen und in eine
festere Ordnung zusammenfassen. Wie jene alten Deutschen, teils im
Kampfe den Römern gegenüber teils in ihrem Solde und in ihren Reihen,
ihre Kriegskunst und mancherlei Künste und Genüsse des Friedens von
ihnen kennen lernten und sich aneigneten; so jetzt seit Jahrzehnten die
Kaffern von der Kap-Kolonie. Wie dort unter den mannigfachen feind
lichen und freundlichen Berührungen Verkündiger des Evangeliums Ein
gang unter den Deutschen fanden und hie und da Stätten gründeten,
von denen das Evangelium sein Licht in die Umgebung ausstrahlte, die
aber nicht selten unter den kriegerischen Bewegungen der deutschen Völker
in Asche sanken; die gleichen Erscheinungen bilden ja eben die Geschichte
unserer Mission in Afrika. Hier sehen wir im hellen Lichte der Gegen
wart vor unsern Augen das alles geschehen, wovon wir uns in dem
Dämmerlichte jener Vorzeit mit viel Mühe aus einzelnen zerstreuten und
überlieferten Zügen durch nicht immer sichere Annahmen einen nur
annähernd die Wirklichkeit darstellenden Schattenriß entwerfen können.
Die tägliche Missionsgeschichte erfüllt lunser Bild von jener Vorzeit wie
mit Fleisch und Blut, gewiß ein nicht geringer Gewinn für unsere
Geschichtsauffassung.
Wer unsere Missionsgeschichte mit nüchternen Sinn verfolgt, dem
können in Beziehung auf den glänzenden Siegesglanz der evangelischen
Predigt zwei Bemerkungen nicht entgehen. Innerlich verdankt die Mission

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.