316 Nutzen der Missionsgeschichte für die Schule.
ihre Eroberungen der Macht der seligmachenden Wahrheit, die sie den
Heiden bringt. Aber äußerlich verdankt sie ihre Verbreitung dem immer
weiter um sich greifenden Verlangen der Häuptlinge nach „Lehrern",
nicht um von ihren heidnischen Lastern erlöst und hier und dort selig,
sondern um der Künste und Genüsse europäischer Zivilisation teilhaftig
zu werden. Wir lernen so die Verbreitung der Kirche unter den deutschen
Stämmen verstehen, die Aufnahme des Christentums durch ganze deutsche
Volksstämme, wenn sie, von dem Glanze und der Macht der römischen
Bildung überwältigt, sich der Kirche des römischen Reichs unterwarfen,
und so zugleich mit den weltlichen Bildungsmitteln und mit den Ver
derbnissen des absterbenden Weltreichs auch die Samen himmlischen
Lebens aufnahmen, die oft langsam, aber allmählich eine Neugeburt
unseres Volkes von innen aus herbeiführten. Nur wenn man beide Seiten
zu ihrem vollen Rechte kommen läßt, gewinnt man die Wahrheit der
Geschichte, und dies ist eine dankenswerte Frucht der Missionsgeschichte,
die sich auch auf andern Gebieten der Geschichte nützlich erweiset. Oder
ist es nicht ebenso bei der Reformation, daß sich in das Drängen der
geistlichen Bewegung weltliche Absichten einmengten und großen Einstuß
auf den Verlauf und das endliche Ergebnis des Kanipfes gewannen, aber
der innerste Trieb ist das Ringen nach dem Lichte der lautern evan
gelischen Wahrheit und der bleibende Gewinn deren unaufhaltbarer
Siegesglanz durch die weite Welt. Also nicht eins ohne das andere.
Ein Glanzpunkt in der älteren Geschichte unsers Volkes ist die Regierung
Karls des Großen; aber wie groß auch die Anerkennung ist, die dieser
gewaltige Mann bei den Geschichtsschreibern gefunden hat, wie hart und
ungerecht sind doch auch die Beurteilungen, die seine Handlungsweise
teilweise erfahren hat.
Zwar darüber, daß er in Beziehung auf die ehelichen Verhältnisse
an dem Maßstabe christlicher Sittlichkeit gemessen nicht fleckenlos dasteht,
geht man wie auch sonst bei den Mächtigen der Erde schonend hinweg;
aber sein Verfahren mit den Sachsen hat den herbsten und nicht ganz
billigen Tadel erfahren. Wie? fragt man, ist des Schlächters mörderisches
Eisen das rechte Mittel, einem wackern heidnischen Volke die Religion,
die die Liebe predigt, annehmlich zu machen? Und wer könnte diese Frage
wohl bejahen? Aber auch Karl selbst ist schwerlich dieser Meinung ge
wesen. Man weiß es wohl, aber man bringt es nicht genug in Rech
nung, daß neben ihm und Hand in Hand mit ihm sein Freund Alkuin
wirkte, daß den Heeren Karls Alkuins Priester und Mönche vorangingen

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