an alle evangelischen Christen Deutschlands. 323
Wohlan! Lassen wir uns warnen! Regen wir uns, so lange es
noch Zeit ist! Warten wir nicht, bis es zu spät! Bricht erst die Sturm
stut mit unwiderstehlicher Gewalt herein, so wird alles Ankämpfen wider
sie vergeblich sein.
Das Recht, unsere Kinder in Volksschulen unseres Glaubens
erziehen zu lassen, gilt uns als ein von Gott selbst verliehenes und darum
unantastbares und unveräußerliches. Gleichwohl wollten wir schweigen
von „Recht", wenn nicht zugleich die heiligste Gewissenspflicht uns
geböte, unseren Kindern, wie im Hause, so in der Schule eine christliche
Erziehung zu teil werden zu lassen. Der Besitz konfessioneller Volks
schulen ist darum auch von jeher als ein wesentlicher Bestandteil der
Glaubens- und Gewissensfreiheit angesehen und als solcher auch in dem
westfälischen Friedensschluß, der dem blutigsten aller Religionskriege ein
Ende machte, in vollem Maße anerkannt worden.
Doch nicht allein um Eltern-Recht und Pflicht, Glaubens- und
Gewissensfreiheit, auch um die Ehre unseres Gottes und um den Bestand
des Reiches Christi handelt es sich in dem Kampfe, der uns aufgedrungen
ist. Zu Dienern dessen, der uns durch sein Blut erlöset hat, wissen
wir uns als Christen berufen. Können, dürfen wir es also zugeben,
daß das Wort Gottes erniedrigt und aus seiner zentralen Stellung in
der öffentlichen Jugenderziehung herausgedrängt werde ? Überhaupt können,
dürfen wir es als evangelische Christen gestatten, daß dem Glauben unserer
Väter Abbruch geschieht, und daß in dem Kampfe der christlichen mit der
nicht-christlichen Weltanschauung die Gegner sich einer der wichtigsten
Positionen — der öffentlichen Volksschule — vollständig bemächtigen?
Wahrlich, wenn Luther heute unter uns wäre, mit welcher Gewalt,
mit welch heiligem Zorn würde er auftreten wider die Feinde des gött
lichen Worts und wider die Erfinder und Bahnbrecher eines neuen
Glaubens- und Gewissensdrucks! Evangelische Christen Deutschlands,
beweiset euch eures großen Reformators würdig! Durchschauet klar die
gegenwärtige Zeitlage und erfasset die Aufgabe, die euch in ihr ge
worden! Kein Ohr für die trügerischen Versicherungen der Gegner, als
ob sie gerade so gut wie wir das Evangelium von Christo wollten!
Und je mehr stolzes Pochen auf weltliche Macht und Zeitströmung auf
ihrer Seite, um so mehr Glaubensmut und Opferfreudigkeit auf der
unseren! „Das Wort sie sollen lassen stahn!" Die evangelische Volks
schule muß unserem Volke erhalten bleiben, und was sie an Boden hier
und da verloren, muß ihr zurückerobert werden.
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