334
Luther-Dank.
entsprechen. Doch darauf wollen wir nicht näher eingehen. Unsere
Überzeugung ist nur die: Je mehr früher versäumt worden ist, mit um
so größerer Liebe und Hingabe müssen wir uns der jetzt noch vorliegenden
Notstände im Volksschullehrerstande annehmen. Und da erinnern wir
an die bedrängte Lage so mancher Volksschullehrer-Witwen und -Waisen,
die ihre Stütze früh verloren haben, und so mancher Volksschullehrer-
Emeriten, die ihre Kräfte im Dienste der Volksschule verzehrt haben.
Für die einen wie für die anderen ist, wie allgemein zugestanden wird,
noch immer nicht auskömmlich gesorgt. Treten wir ein, so lange es
not thut, nehmen wir uns ihrer bedrängten Lage an, und machen wir
eben damit auch die Anklage zu Schanden, die immer wieder gegen uns
erhoben wird, als ob wir als evangelische Christen wohl stets darauf
bedacht wären, unsere Rechte in betreff der öffentlichen Volksschule zu
wahren, als ob wir aber nicht oder nur wenig geneigt wären, unsere
Liebe zu der evangelischen Volksschule durch freiwillige Opfer der Liebe
thatkräftig zu beweisen. Die andere Hälfte der unter dem Namen
„Luther-Dank" in diesem Jahre uns zufließenden Gelder ist, so haben
wir uns entschlossen, zur Bildung eines bleibend diesen Namen tragenden
Unterstützungs-Fonds bestimmt, dessen Revenüen hinfort Jahr für Jahr
besonders bedürftigen und würdigen Volksschullehrer-Witwen und -Waisen
und Volksschullehrer-Emeriten zu gute kommen sollen.
Jeder, der unsere eigene Notlage kennt, wird es verstehen, daß uns
dieser letztere Entschluß nicht so ganz leicht gefallen ist. Wir konnten
und durften indessen nicht anders. Beständig klang das „Gott will es"
und „Es ist eine Sache seines Wohlgefallens" in unseren Ohren.
Überhaupt wollen wir es gestehen, daß wir diesen unseren Aufruf
nicht ohne ein gewisses Zagen in die Welt gesandt haben. Läßt die
deutsche evangelische Christenheit uns im Stich, beantwortet sie nicht
allseitig unsere Bitte mit freudigen und reichlichen Gaben, so wäre es
besser gewesen, wir hätten gänzlich geschwiegen. Aus dem Mißlingen
unsrer Sache würden dann die Gegner nur neues Kapital schlagen, und
sie würden uns vorwerfen, daß wir wohl im stände seien, Lutherfeste zu
feiern, daß wir aber weit davon entfernt seien, wirklich im Sinne und
Geiste Luthers und auf Grund des ihm eigenen Scharfblicks ein Herz
zu haben für die deutsche evangelische Volksschule.
Doch nein, wir wollen nicht zagen. Wie viel thun nicht unsere
Glaubensbrüder in Holland für die Erhaltung und die Pstege eines
evangelischen, eines christlichen Volksschulwesens! Sie unterhalten nicht

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.