Noch ein Wort über die Pflege des Volksliedes in Gesangvereinen. 345
Es sei mir erlaubt, eine andere vorzuschlagen und in Kürze zu präzi
sieren. Nach meiner Auffassung muß jeder Gesangverein, wie bisher, sich
in zwei Gruppen teilen. Gruppe I umfaßt sämtliche Vereinsmitglieder
und stellt sich die Aufgabe, das einfache Volkslied in ein- und zwei
stimmigem, naturgemäßem Tonsatze richtig und schön einzuüben. (Der
Choral ist nur einstimmig zu singen.) Der drei- und vierstimmige
Satz ist für diese Gruppe ausgeschlossen. Die Auswahl der Lieder richtet
sich möglichst nach dem im Bezirk eingeführten Volksschulliederbüchlein.
Der Zweck dieser Gruppe liegt auf der Hand: das einfache Volkslied
soll in die Häuser und Herzen gebracht werden, und die Sangesbrüder
sollen mit ihren jüngeren Genossen befähigt werden, dasselbe überall zu
singen, wo ihre Herzensstimmung sie zum Singen antreibt, damit auch
der Volksschulgesang seine Blüten und Früchte zeitigen kann. — Aus
dieser ersten Gruppe bildet sich nach Maßgabe der Stimmmittel und
Sangestüchtigkeit Gruppe II. Sie stellt sich die Aufgabe, das drei
und vierstimmige Volkslied in naturgemäßem Tonsatz und in der Ver
folgung steter Zunahme an Durchbildung dasselbe nach einer der Kunst
musik entlehnten Satzweise zum korrekten Vortrag zu bringen. Es ist
geradezu nicht immer erforderlich, daß die Sänger dieser Gruppe im stände
sind, leichtere Sachen vom Blatt zu singen, wenn auch im allgemeinen
für den Eintrittt in dieselbe diese Forderung gestellt und festgehalten
werden muß. Der Zweck ist ein weitergehender als der der ersten Gruppe.
Nach dem Vorgänge der von dem Altmeister des Volksgesanges, Ludwig
Erk, in Berlin geleiteten, zur Zeit (vielleicht heute noch) blühenden Gesang
vereine, hat diese Gruppe das Volkslied „salonfähig" zu erhalten, damit
auch in den hohen und höchsten Volksschichten jene tiefen Empfindungen
wachgerufen und erhalten bleiben, die dem edelsten Wesen des Liedes
entquellen. — Auf Grund einer solchen Ausgestaltung wird das Volkslied
zur vollsten Entfaltung seines Reichtums gelangen und Alt und Jung
wird sich wieder laben an den Gütern, woran sich die Herzen unserer
frommen und ruhmvollen Väter erquickten und wodurch ihnen „treue Liebe
bis zum Grabe" und festes Vertrauen auf Gottes Durchhilfe in Not
und Tod zufloß. Möchte unser ganzes Volk recht bald wieder ein singendes
genannt werden können!
Die heiligen 10 Gebote
bilden nach Inhalt und Form das ewig gültige Muster auch für alle
menschlichen Gesetze. Die Gebote Gottes sind IO einfache und kurze

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