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C. Schmidt, die heiligen 10 Gebote.
Sätze und gerade diese heilige Einfachheit und majestätische Kürze entspricht
im höchsten Grade ihrer Unantastbarkeit und Brauchbarkeit für jedermann
und für alle Zeiten. Wären es lange Paragraphenreihen, wer könnte
sie behalten und immer bei der Hand haben? Zur Form der heiligen
Gebote gehört es wesentlich, daß Gott, der HErr, ihrer gerade zehn,
nicht mehr und nicht weniger, verordnet hat. Diese Zehnzahl ist eine
sehr beabsichtigte; sie ist mit großem Bedacht für die praktische Brauch
barkeit des heiligen Gesetzes gewählt. Sie entspricht der Fingerzahl
unsrer Hände; denn also lautet die göttliche Vorschrift 5. Mos. 6, 8:
„Du sollst sie (die Gebote) binden zum Zeichen auf deine Hand und
sollen dir ein Denkmal vor deinen Augen sein", und 5. Mos. 11, 18:
„So fasset nun diese Worte zu Herzen und in eure Seele und bindet sie
zum Zeichen auf eure Hand." Ganz deutlich wird der Sinn, in
welchem dies gemeint ist, in den Sprüchen Sal. 7, 3 erklärt: „Binde
sie an deine Finger und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens."
Liegt hierin nicht ein ausdrücklicher pädagogischer Hinweis von außer
ordentlich praktischer Bedeutung? Die Finger sind in der Schule, wie
jeder erfahrene Lehrer weiß, besonders beim ersten Unterricht das natür
liche und höchst praktische Hilfsmittel für das Gedächtnis und Ver
ständnis der Kinder; was die Kleinen begriffen haben und wirklich wissen,
das zählen sie an ihren Fingern her. Darum sollte man ihnen auch
noch jetzt die heiligen Gebote von Anfang an nach Gottes Vorschrift an
ihre Finger knüpfen und geradezu jedes einzelne Gebot mit einem be
stimmten Finger in Verbindung bringen zum Denkmal. Die Finger
sind ihnen stets vor Augen und bleiben es ihr ganzes Leben lang. Sind
die Kinder von Jugend auf daran gewöhnt, so werden sie auch, wenn
die Schule längst hinter ihnen liegt, in jedem Augenblick und überall
bei allem, was sie mit ihren Händen thun, die heiligen Gebote Gottes
mit sich vor ihren Augen führen und das wird das beste, unwandelbarste
Gesetzbuch sein. Vielleicht kommt daher die Sitte, daß wir beim Eidschwur
Finger aufheben, und zwar 3 Finger, um anzudeuten, daß wir uns des
von dem dreieinigen Gott vorgeschriebenen heiligen Gesetzes wohl bewußt
sind. Jedenfalls bezeichnen wir etwas, was uns ganz klar und unwider-
sprechlich ist, mit dem Ausdruck „es liegt auf der Hand." Es sei noch
bemerkt, daß die gläubigen Juden auf Grund dieser Vorschrift noch heute
die Sitte haben, die IO Gebote bei ihren Gebeten mit wirklichen Schnüren
an ihre Finger zu binden (die sogenannten Thephillim und Zizith).
Solche äußerliche Formbeobachtung ist freilich nicht das Wesentliche;

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