„Wissenschaftliche" und „evangelische" Pädagogik. 355
lich die Glaubens- und Todesfreudigkeit des Johann Huß in Konstanz!,
die Entschiedenheit und Standhaftigkeit der Protestanten und ihr „Ein'
feste Burg" (Speier), der freudige Bekennermut Luthers (Worms) rc.;
ein Bild des schönen Wormser Denkmales wurde vorgezeigt und in wenigen
Sätzen Wert und Bedeutung desselben erläutert.
Als mich Herr B. danach fragte, was mir bei seinem Unterricht
aufgefallen und was nach meiner Ansicht wohl anders zu machen sei,
entgegnete ich ihm zunächst, daß mir bei seiner Behandlung der Kains
geschichte ein Herbartianer eingefallen sei, der es nicht begreifen könne,
daß jede alttestamentliche Geschichte, beispielsweise die von Kain oder
„Jakobs Flucht", „Jakob bei Laban" (s. Heft 11, Jahrg. 82, S. 339
und Heft 4 des Monatsblatts d. I. S. 105) in einem auch für kleine
Schulkinder verständlichen Sinne auf Jesum hinweise. — Hierauf Herr B.:
„Solch Bedenken ist mir allerdings gegenwärtig ein ganz fremdes, vor
dem freilich nicht! Wissen Sie, von wem ich es zuerst selber gelernt,
den Herrn Jesuyr in jeder Geschichte des Alten Testaments zu suchen
und zu finden und dann auch meinen Schülern, großen und kleinen, zu
zeigen? Das ist einer unserer alten Pietisten und „Mystiker", nämlich
Konr. Sustmann, und seine lange Zeit fast vergessene, aber vor etwa
20 Jahren von unserm „christlichen Verein im nördlichen Deutschland"
hervorgesuchte und wieder neuaufgelegte „Betbibel" gewesen. Als sie
mir vor längerer Zeit eines Tags in die Hände kam, erregte alsbald
ein Wort in der „Vorrede" mein Interesse für das Buch. „Wir wohnen",
so las ich, „in einem dunklen Ort (2. Petr. 1, 19), denn Finsternis
decket das Erdreich und Dunkel die Völker; Sünde und Tod hat alles
mit Finsternis umhüllt; wir tappen nach der Wand wie die Blinden,
und tappen, als die keine Augen haben. — Darum thun wir wohl, wenn
wir achten auf das feste prophetische Wort, das helle einige Licht. Wenn
nun aber Christus der Stern und Kern der ganzen heiligen
Schrift ist und namentlich das Alte Testament nur dann
verstanden werden kann, wenn das Zeugnis von ihm über
all aufgewiesen wird, in welchem dasselbe seine Erfüllung
gefunden, so ist der Verfasser der „Betbibel" darin ein Meister,
von dem ein jeder wird zu lernen haben." — Dieser in der That ebenso
lichtvollen und lehrhaften wie erbaulichen (darum auch allen evangelischen
Lehrern sehr zu empfehlenden) Schrift verdanke ich nicht nur viel für
mein inneres Leben, sondern habe durch sie auch viele Fingerzeige zu
einer tiefer eingehenden Behandlung der biblischen Geschichte erhalten. Fast
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