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Settau,
B.: „Da würde dem alten Arndt wohl alsbald sein Namensgenoß
I. Arnd mit der fein treffenden Bemerkung zu Hülfe kommen: „So ist
der schwache Glaube ja auch ein Glaube. Denn es stehet
unsere Seligkeit nicht auf der Würdigkeit unsers Glaubens,
wie stark oder schwach derselbe sei, sondern auf Christo,
welchen der Glaube fasset und ergreifet. Gleichwie nun ein
kleines, schwaches Kind ein Kleinod und Perle mit seiner schwachen Hand
ebensowohl fasset und hält, als ein starker Mann: also hält und
fasset der schwache Glaube Christum, den edeln Schatz mit
all seinem Verdienst ebensowohl als der starke Glaube, und
der Schwachgläubige in Ihm und durch Ihn eben die Gerechtigkeit und
Seligkeit, die der Starkgläubige hat. Ungleich wie der Augapfel ein
kleines Ding, dennoch der Sonne Licht und Schein, wenn sie gleich zum
höchsten am Himmel steht, ja auch die Sonne selbst erreichen kann; also
kann auch das Auge des Glaubens, ob es gleich klein und schwach,
dennoch die Sonne der Gerechtigkeit, Jesus Christus, mit ihrem völligen
Schein und andern unaussprechlichen Gütern und Gaben fassen und
ergreifen" — („Wahres Christentum" 2, 51").
Ich: Sie lieben es, beiläufig bemerkt, Pietisten und Mystiker zu
citieren. Vergessen Sie nicht, daß die Mystik ihr Bedenkliches hat, daß
sie leicht in Regionen der nebelhaften Gefühlsseligkeit, begriffslosen
Phantasterei, Gedankenträgheit rc. führt! (s. S. 105 und 275, 276 des
Monatsbl. d. I.)
B.: Aber Freund, es gibt eine gesunde, echt evangelische
Mystik; für diese habe ich allerdings eine Vorliebe. Wer redet denn von
der vernebelten, träg machenden Mystik? Die echte ist es, die uns z. B.
durch einen Thomas a Kempis bezeugt (s. „Nachfolge Cristi" Buch II, 8):
„Ein Christ liebt Christum um Christi willen, und die Seelen der
Menschen um Christi willen, und wer viel liebt, thut viel." — (Ich fügte
im stillen hinzu: Recht! und ein mit solcher Liebe ausgerüsteter Lehrer
bildet z. B. auch die für Mathematik besonders begabten Schüler, selbst
wenn dies Fach nicht sein Lieblingsfach wäre, um Jesu willen in dieser
Beziehung mit selbstverleugnender Sorgfalt aus, damit der Mathematikus
auch mit seiner bes. Gabe „wachse an den, der das Haupt ist" —; denn
omnia humana. divina omnia, s. S. 278 d. „Monatsblatts".)
Der alte Arnd redet selbstverständlich auch nur von Christenkindern
mit normaler Entwickelung. Sie wachsen allmählich aus dem Kinder
glauben in den Männerglauben hinein, allmählich zum Maße des voll-

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