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Bernhard Wöpcke f.
bekannten Pädagogen so nahe verkehrte. Es stimmt dies ganz damit,
daß er auch in seinem späteren Leben gern Goethe's Wort citierte:
„Wahrheitsliebe zeigt sich darin, daß man überall das Gute zu finden
und zu schätzen weiß."
Wie er für die Erziehungsarbeit immer mehr begeistert ward und
in welchem Sinne er dieselbe auffaßte, darüber hat er sich im März 1852
also ausgesprochen: „Je tiefer ich es empfinde in meinem Wirken, wie
beseligend der Beruf eines christlichen Lehrers ist, desto mehr wünsche
ich, daß gerade für diesen Beruf treue Arbeiter gewonnen werden, welche
nach der Gottseligkeit streben, die christliche Wahrheit gläubig aufnehmen,
klar erkennen und zur Rechenschaft von diesem Glauben jedermann bereit
sind, Lehrer, welche sich als Diener der Kirche wissen, welche der Obrigkeit
Unterthan sind um des HErrn willen, welche die Gefühle eines gesunden
Patriotismus, einer aufrichtigen Liebe zum Vaterlande, einer gewissen
haften Ehrfurcht vor des Kaisers Majestät in sich tragen und den jungen
Herzen einpffanzen, Lehrer, welche, ausgerüstet mit dem erforderlichen
Wissen und Geschick, vom ersten Tage ihrer Berufswahl erfahren, daß
ihr Wirken ein vor der Welt verborgenes und von ihr verkanntes ist,
bis der Allbarmherzige sie einst in seiner Gerechtigkeit leuchten läßt wie
des Himmels Glanz, weil sie ihm gethan haben, was sie den Kindern,
den Geringsten hienieden gethan haben. Jede Erziehung, bei der der Er
zieher nicht die unsterbliche Seele des Zöglings vor Augen hat, wird
nur ungöttliches Wesen wirken, und alle Ehre und Herrlichkeit dieser
Welt ist nichts gegen die stille, göttliche That, der Seele vom Tode
zu helfen."
Im Mai 1852 wurde er in das Seminardirektorat nach Weißen
fels berufen, als dasselbe durch die Ernennung Hennices zum Konsisto-
rial- und Provinzial-Schulrat erledigt war. Noch im Feuer der ersten
pädagogischen Liebe hat er in diesem weiteren Kreise jene Erziehungs
grundsätze in die Praxis übertragen. Dabei hat er mit eisernem Fleiße bis
in die Nächte hinein studiert, um sich in jedem Unterrichtsfache gründlich
heimisch zu machen. Alle Oberflächlichkeit war ihm zuwider. Die Ge
lehrsamkeit, die er sich so nach und nach mit weitblickendem Geist erwarb,
war eine staunenswerte, und zugleich wußte er in allen einzelnen Unter
richtszweigen das, was Geist und Gemüt für das praktische Leben bilde,
scharf zu erkennen und hervorzuheben. Dabei war sein Zusammenleben
mit Männern wie Hentschel, Schlunk, Hill ein echt kollegialisches.
Seine Berufung zum Direktor am Königl. Waisenhause und Schullehrer-

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