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Settau,
(1- Petr. 1, 23), „eine Kraft Gottes" (Röm. 1,16), „Geist und Leben"
(Joh. 6, 63), in und mit, der also Gott selber so gegenwärtig, so deut
lich spürbar wäre, als das geoffenbarte Gotteswort. Dieses und kein
anderes ist uns also gegeben zur Bildung religiös-sittlicher Charaktere,
für den „ersten" wie für den letzten Gesinnungsunterricht. „Märchen
sollen vorbereiten helfen!" Thörichte Anmaßung: Menschenwitz,
Menschenfündlein sollen lockern helfen, wo Gott der HErr selber zuvor
gekommen und mächtig aufgelockert hat — durch die Erschaffung nach
seinem Bilde und durch das „Bad der Wiedergeburt." — Lassen wir
doch die Märchen den Müttern und Großmüttern für ihre Schoßkinder!
Beim „Gesinnungsunterricht" in der Schule das Wort der Wahrheit! —
Ich: Übersehen und vergessen Sie aber nicht, daß Herbartianer die
Lehren, die bei ihrem „Gesinnungsunterricht" (aus Märchen etwa!) er
kannt werden, meist in Worte, Sprüche der heiligen Schrift fassen und
diese den Kindern einprägen.
B.: Ich übersehe und vergesse nicht, daß es hier abermals heißt:
Erst Menschenwort und Menschenphantasie und danach auf diesen
Grund gelegt das Gotteswort. Merkwürdige Verkehrtheit! Schneide ich
Blumen von ihren Zweigen und setze sie in ein Wasserglas, so entwickeln
sie sich nicht normal, setzen nicht Frucht und Samen an, sondern fangen
über kurz oder lang mit ihrem Wasser im Glase an zu faulen; läßt
man sie aber auf den ihnen von Gott gegebenen Stengeln und Würzlein,
so reifen sie aus und tragen guten Samen. — Welch eine heillose Ver
wirrung muß im Geiste des Kindes werden, wenn es anfängt zu erkennen,
daß das (Märchen-) Fundament seines „Gesinnungsunterrichts" ein un
wahres, faules ist!
Ich: Noch eins muß ich bitten, nicht zu vergessen und zu über
sehen, daß Ziller ausdrücklich verlangt (s. „Vorlesungen" S. 163): „Das
Leben Jesu werde von Anfang an dem kindlichen Gemüt nahe gebracht,
aber noch nicht unterrichtlich behandelt."
B.: Seltsamer Widerspruch: „Nahe bringen und nicht unter
richtlich behandeln!" Wie soll ich das Leben Jesu dem kindlichen
Gemüte nahe bringen, wenn ich nicht 1) kindlich-anschaulich davon erzähle,
2) Schwierigkeiten im Verständnis wegräume, 3) auch die Hauptgedanken
(Lehren) in Kopf und Herz zu bringen suche und mich in freundlich
herauslockendem Gespräche überzeuge, ob die Kinder sich das für sie
Wichtige zum Eigentum gemacht haben? Was wäre dies nun aber anderes
als „unterrichtliche Behandlung", eine solche, wie die Herbartische Schule

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