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Settau,
(s- H- Glöckner und Thilo S. 103, Heft 4.). Es dürfte Ihnen
gleichfalls bekannt sein, „daß, wie Thilo und Flügel in ihren Schrif
ten über die spekulative Theologie der Gegenwart deutlich gezeigt haben,
die gegenwärtige Theologie gar sehr unter dem Einfluß falscher philo
sophischer Systeme steht und leidet." (s. S. 103, Heft 4.) Endlich
müßten Sie auch wissen, „daß es freilich einmal eine Zeit gegeben hat,
da die Theologie normative Wissenschaft gewesen, wie schlecht sich aber
dabei die Wissenschaften, am meisten die Theologie selbst, gestanden"
(s. H. Glöckner, S. 102, Heft 4 des „Monatsbl." d. I.).
B-: Aber Lieber, halten Sie inne! Von welcher Theologie reden
Sie denn eigentlich? Ich dächte, wir werden doch wohl die echte, wahre,
ich möchte sagen die eine, absolute Theologie von der verirrten, ver
wirrten, verdunkelten, falschen auseinanderhalten müssen. Die erstere
allein ist maßgebend (sowie auch Ähnliches der Fall ist bei der Frage
von den Ansprüchen unserer Christenkinder und der Frage vom „Gewissen"
s. oben). Die echte, allein maßgebende Theologie, von der ich rede, ist
die, welche in ihrem evangelischen Bekenntnis die ewigen Grundgedanken
der h. Schrift, dieselben ewigen Dogmen (die allerdings mit Hilfe der
Philosophie in ihren Begriffen allmählich eine reichere Ausgestaltung
erhalten haben (s. Heft 1, S. 4 d. I.), die ein Luther und seine echten
Jünger vertreten, die nach einem treffenden Ausdruck Luthers gewisser
maßen „die Grammatik der h. Schrift" ist. Diese hat ihre (im Be
kenntnis dargelegten) Grundgedanken nie von irgend einem philosophischen
System erschüttern lassen; sie hat alle von verschiedenen philosophischen
Systemen gemachten Versuche, diesen ihren lebensvollen Inhalt, oder
sage ich noch bestimmter unsere Religion zu einem Objekt der Wissen
schaft, d. i. zu einem der wissenschaftlichen Fortentwickelung fähigen und
bedürftigen Objekt, zu machen, stets mit Erfolg niedergehalten (s. Heft 1,
S. 4 und 5).
Ich: Aber, Freund, „hätte dann nicht die Theologie bis jetzt unnach-
sichtlich gegen ihr eigenes Fleisch und Blut gewütet?" (s. H. Gl. Heft 4,
Seite 99.)
B.: Sie belieben wohl zu scherzen? Sie kommen mir fast vor, wie
ein Kollege, der neulich in einer gewissen geistigen Benommenheit es gar
nicht begreifen wollte, daß es richtiger sei zu sagen: „Prüfung in der
Religionslehre" als „Prüfung in der Religion". Sind Sie
etwa durch unsern Landsmann, den Freigemeindler Dr. Rupp, angesteckt,
der in seiner famosen Schrift „Es giebt kein Christentum mehr"

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