364
Settau,
umgekehrt so sagen müssen: „die Herbartische Philosophie ist durch das
Christentum begünstigt worden, dieses hat ihr die allerwichtigsten Dienste
geleistet re."
Ich: Es kommt darauf an, von welchem Standpunkte aus man die
Sache ansieht. Wollen Sie einmal zunächst bedenken, daß „weil die
Herbartische Philosophie wohl genau die Grenzen kennt, innerhalb deren
sich eine Philosophie jederzeit bewegt, und weil sie fordert, daß die theo
retische Philosophie jederzeit von dem objektiv Gegebenen auszugehen und
es zu erklären hat, so bleibt sie unverworren mit den Gebieten, auf
welchen uns nun einmal auf unserm irdischen Standpunkte die Data ver
sagt und gewiß weislich versagt sind, wie die Objekte des Glaubens.
Man sage nicht: die Offenbarung bietet auch Data. Die Philosophie
ist eine weltliche Wissenschaft, sie kennt nur solche Daten, die allen
Menschen als solche zugänglich sind und von allen anerkannt werden."
(s. S. 103 und 104.)
B.: Wahrhaftig, es ist, als hörte man einen echten Herbartianer
aus Ihnen reden. Mir, als einem alten Schüler unseres Rosenkranz,
Überweg und Liebhaber unseres alten Hamann, kommt diese Sprache
wunderlich vor.
Ich: Wie? Sie wollen doch nicht mit Ihrem Rosenkranz, Über
weg oder auch Trendelenburg, Lange re. gegen einen Herbart zu Felde
ziehen? Sie würden in solchem Falle alsbald belehrt werden, daß alle
von dieser Seite gekommenen Angriffe längst abgethane, abgestandene
Ware ist; ein rechtschaffener Herbartianer dürfte wohl weder Zeit noch
Lust haben, in Sisyphus-Arbeit die alten Steine des Anstoßes immer
wieder aus dem Wege zu räumen." (s. Heft 4, S. 106 und 107.) Ich
sollte meinen, Sie hätten sich mit der Fortführuug des in Rede stehenden
Streites etwa in den „Jahrbüchern für wissenschaftliche Pädagogik" be
kannt gemacht. Sind Ihnen nicht die hierhergehörigen Abhandlungen
von Günther, Allihn, Zimmermann, Schacht rc. bekannt?
B.: Nochmals: Ihre Zuversichtlichkeit, mit der Sie für Herbart
eintreten, kommt mir fast komisch vor. Ich muß Ihnen versichern, daß
ich die von Ihnen genannten Herren aus dem Lager Herbarts wohl
kenne. Durch Überweg namentlich bin ich angeregt worden, den ganzen
Streit aufmerksam zu verfolgen. Jene Herren haben allerdings mehr
oder weniger im Sinne ihres Meisters zur eigenen oder zur Deckung und
Verteidigung dieses mit bemerkenswerter Kraftanstrengung schon eine respek
table Anzahl von Abhandlungen zusammengeschrieben und sich selber und

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.