Was soll noch endlich daraus werden?
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reden, teils weil es uns zu weit führen würde, teils weil der damit be
rührte Fehler in unserem Kreise abzunehmen scheint. Befleißigt sich doch,
wenn wir nicht irren, die bayerische*) Regierung seit Jahren, den amt
lichen Gebrauch der Fremdwörter möglichst zu beschränken, wodurch sie
den Gebildeten auch für andere Kreise des Lebens eine heilsame Erinne
rung gibt.
Vor allem ist es die Be amten spräche, durch welche unsere
Muttersprache verunstaltet wird, und das verdient um so mehr eine
besondere Beachtung, als viele Leute jedes Standes heutzutage teils durch
Umgang mit Beamten, teils durch amtliche Zuschriften und Verfügungen
täglich unter dem Einfluß dieser Sprache stehen, und die meisten nur zu
geneigt sind, das, was sie hören und lesen, bewußt oder unbewußt nach
zuahmen. Nur zwei Beispiele: Das Wort „nachdem"**) wird von
unseren Beamten und infolge davon in unseren Zeitungen ganz gewöhnlich
für da oder weil gebraucht: „Nachdem es gesetzlich feststeht, daß rc.
so wird mit Bestimmtheit der Erledigung entgegengesehen." Das Wort
„bethätigen" bedeutet, so viel wir wissen, nicht mehr und nicht weniger
als „(eine Gesinnung) mit der That beweisen." Man sagt: „Er hat
seine Liebe, seine Freundlichkeit, seinen wohlthätigen Sinn, seine bereits
wohl bekannte Unparteilichkeit rc. bethätigt." Irren wir nun nicht, so
geschah es zuerst in der Beamtensprache, daß man die Bedeutung dieses
Wortes änderte oder, so zu sagen, erweiterte. Die Behörde schreibt:
„Es wird mit Bestimmtheit erwartet, daß die Einsendung der bereits
geforderten Berichte bis zum 24. d. M. bethätigt werde", und nun spricht
man auch und bald schreibt man es: „Möchten die Herren mir dasselbe
vertrauensvolle Entgegenkommen bethätigen rc." oder „S. Maj. der König
hat auf der Gewerbe-Ausstellung viele Einkäufe bethätigt", oder: „Bei
dem bevorstehenden Volksfeste wird ein Ochsenbraten bethätigt werden"
(soll heißen: „Es wird ein ganzer Ochs gebraten werden").
Viel schlimmer ist es, daß die Fehler der Umgangssprache, die aus
*) Ist Ähnliches nicht auch für Preußen und das Reich zu sagen? Wir
haben z. B. jetzt Briefumschläge statt Couverts und Ordnungen für Reglements.
Daß nämlich auch Brief (— breve) und Ordnung (— ordo) ursprünglich latei
nische Wörter sind, liegt dem schlichten Bewußtsein so fern wie der undeutsche
Ursprung von Natur (natura) oder predigen (praedicare}. Die Red.
**) Anm. d. Red. Aber was sagt der geehrte Herr Einsender zu Luther:
Nachdem nun Paulus gewöhnet war, ging er zu ihnen hinein. Apg. 17, 2, u. dgl. ?
Vgl. Aug. Lehmann, Luthers Sprache in seiner Übersetzung des Neuen
Testaments. Halle, Waisenhaus, 1873. S. 114.

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