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Bernhard Wöpcke f.
anhaltinische Kandidaten für die Mittelschullehrer- und Rektoratsprüfung
gleich den aus der Provinz Sachsen gebürtigen zur Prüfung zulassen zu
wollen, hat er dies Gesuch gerne befürwortet.
In Magdeburg waren außer einem Teil der Volksschulen des Re
gierungsbezirkes die Generalia des Seminar- und Volksschulwesens und
die sechs Seminare der Bezirke Merseburg und Erfurt der Hauptgegen
stand seiner Arbeit. Diese werden gewiß ohne Ausnahme nimmer ver
gessen, wie sie an seinem reichen Wissen und Können und an seinem edlen
Charakter nach jeder Seite hin emporsehen konnten und was sie seiner
selbstlosen Gewissenhaftigkeit, strengen Gerechtigkeit und christlichen Milde
verdanken. Die Reisen zu den Revisionen der Seminare und zu den
Prüfungen an denselben nahmen einen großen Teil seiner Arbeit in An
spruch. Bei den letztern, namentlich bei Prüfung von nichtseminaristisch
gebildeten Schulamtsbewerbern, hat er wiederholt gezeigt, wie ein genaues
Festhalten der vorschriftsmäßigen Anforderungen mit wirklichem Wohl
wollen auch gegen schwache Examinanden Hand in Hand gehen kann.
Seine juristischen Kollegen rühmen ihm nach, daß ihm ein scharfer
Blick in Verwaltungsfragen eigen gewesen sei. — Alles, was zu seinem
Amt gehörte, wollte er voll und ganz leisten. Dabei wußte er aber doch
sein Weiterstudium zu ermöglichen und studierte bis zuletzt in jedem Winter
ein größeres Werk, während er dann die Lektüre der Tageslitteratur
einschränkte.
In politischen Dingen dachte er konservativ. Er ist einst auch ohne
sein Zuthun zum Abgeordneten des Bunzlau-Löwenberger Wahlkreises
gewählt worden und hat damals zu „dem Häustein klein" der 31 oder
36 Männer gehört, die ganz und voll für die Reorganisation des Heeres
eintraten. Er freute sich noch später gern des Triumphes, daß die nach
folgenden Kriege so überraschend schnell jener seiner Abstimmung Recht
gegeben, blieb aber den Detailfragen der Politik nachher fern, weil sein
Amt ihm keine Zeit dazu lasse. In den religiösen Parteistellungen, die
er wohl mehr als kirchliche Erhitzungen auffaßte, gehörte er zu den
Positiv-Unierten.
In Bunzlau ist er mit dem Roten Adlerorden IV. Klaffe, in
Magdeburg mit dem Adler der Ritter des Königl. Hausordens der
Hohenzollern, auch mit dem Anhaltinischen Bärenorden dekoriert worden.
Im Mai 1882 ward er zum Geheimen Regierungsrat ernannt. Schon
zuvor hatte ihn ein chronisches Lungenleiden erfaßt. Seine amtlichen
Reisen mußte er zuletzt einstellen. Er dachte an seine Pensionierung.

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