Zum Luther»Jubiläum-
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Daß Luther nicht bloß als Reformater, sondern auch als Kind seiner Zeit
gewürdigt und darum nicht als unbedingtes Ideal hingestellt wird, halten wir
für ganz gesund, ja für echt evangelisch und Luthers Geiste selbst entsprechend.
Dennoch erscheint es uns bedenklich, daß davon die Rede ist, die Schule sei durch
ihn wegen Verbindung mit der Kirche an einer selbständigen Entwickelung bis
an unsere Zeit gehemmt worden. Die Schule muß sich jedenfalls bewußt bleiben,
daß sie der Kirche so wenig wie dem Staate je koordiniert sein kann; die Schule
ist vielmehr ein Organ, durch welches Kirche, Staat und Menschheit auf die
Jugend einwirken. Die Mängel, welche diesen drei Mächten in ihrer irdischen
Entwickelung anhaften, wirken natürlich auf die Schule zurück.
B 1, 3, 5 gekürzt und die Vorrede zum kleinen Katechismus findet man
(im jetzigen Deutsch) auch in dem ersten Bande des beachtenswerten, unter Mit
wirkung des pommerschen Schulrats Fr. Schultz von Seminardirektor Sperber,
im Verlage von Bertelsmann, herausgegebenen vierbändigen Werkes: Päda
gogische Lesestücke aus den wichtigsten Schriften der pädagogischen
Klassiker, 1377 S. 4-35, wo sich bis S. 73 Stücke von Melanchthon, Zwingli.
Bugenhagen, Brenz anschließen. — Dr. Schumanns*) (jetzt Schulrat und
Prediger in Trier) Pädagogische Chrestomathie ist wohl noch nicht so weit gediehen.
Dr. Johannes Delius (Gymnasiallehrer in Eisenach). Martin Luthers
Schriften in Auswahl. Gotha. F. A. Perthes. 1883. XIV u. 336 S. 8. Mit
Titelbild nach Cranach von König. Kaliko-Einband mit Reliefprägung (Luthers
Brustbild.) M. 2,40.
Enthält bei aller Knappheit doch eine möglichst vielseitige und reiche Aus
wahl von Luthers Schriften für Schule und Haus nebst einem ganz kurzen Ab
riß von des Reformators Leben (S. 1—6), historischen Einleitungen und ein
zelnen erklärenden Anmerkungen unter dem Text, bezw. in eckigen Klammern
im Text. Den Anfang bildet die Vorrede zum ersten Teil der Wittenberger
Ausgabe von 1539 (enthält u. a. Luthers Anweisung, wie man die Bibel lesen
soll). Sodann in erster Linie sind natürlich diejenigen Schriften berücksichtigt,
die auf die Reformation unmitelbar bezug haben: Die „95 Hhesen", „An den
christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung", „Von
der Freiheit eines Christenmenschen". Es folgen, mit einigen unwesentlichen
Kürzungen, die für Staat und Schule wichtigen Schriften: „Eine treue Ver
mahnung an alle Christen, sich zu verhüten vor Aufruhr und Empörung", „Von
weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei", „An die Rats
herren aller Städte über Errichtung von Schulen". „Die Heerpredigt wider die
*) Teil I bietet die pädagogischen Meisterwerke des orientalischen Altertums
(Chinesen, Perser, Indier, Ägypter) und der alten Griechen. VIII und 396 S. 8.
Hannover, Carl Meyer. 3 Mk., Teil II die der alten Römer und des Mittel-
alters VI. und 396 S. 8. 3 M. Auf dieses Werk machen wir wiederholt auf
merksam, desgleichen auf desselben Verfs. Leitfaden der Pädagogik in gleichem
Verlage (3. Auflage 1881). I. Systematische Pädagogik und Schulkunde. VIII
und 256 S. 8. 3 M. II. Geschichte der Pädagogik. VIII und 279 S. 8. 3 M.
zumal hier neben andern Stellen Luthers S. 79—91 die Schrift an die Rats
herren von Errichtung christlicher Schulen abgedruckt ist.

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